„Zbigniew Rogalski“
bei
ŻAK | BRANICKA
Der Geisterjäger
von Astrid Mania
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Hier stimmt etwas nicht. Ein großes Aquarium ist nicht mit Wasser gefüllt, sondern von innen getüncht. In der Rückwand scheint das Glas sich selbst zu spiegeln, doch die Reflexe sind unvollständig und optisch nicht korrekt. Tritt man vor Zbigniew Rogalskis Gemälde, um die Fakten zu prüfen, verliert sich der Blick in der groben, grün-weiß-grauen Abstraktion. Das Bild löst sich auf. Dabei heißt doch jedes Werk dieser Serie vielversprechend „Stories“. Erzählt wird aber nichts. Keine Geschichte jedenfalls. Nur, dass es gemalt ist, berichtet das Bild, das von der Vorstellung weiß, Gemälde seien Spiegel der Welt. Rogalskis Thema ist die Fähigkeit zur Täuschung. Dass gemalte Bilder trügen können, reibt er uns bei ŻAK|BRANICKA buchstäblich unter die Nase.
Aber wer entscheidet über die Täuschung? Der Maler? Das Medium gar? Warum sollte uns das Gemälde etwas vorgaukeln wollen? Rogalski zielt mit seinen Bildern auf die Grenzen der Wahrnehmung selbst. Die Aquarien in seinen jüngsten Gemälden erlauben keinen Durch- oder Einblick. Ihre gläsernen Scheiben sind zu matten, opaken Flächen geworden, mit trockener Farbe und grobem Gestus bemalt. Diese unspektakulären Gegenstände sind sein Motiv, ohne ein einziges, weiteres Detail. Allein das Glas, seine Transparenz – da, wo sie erhalten ist –, seine Schatten, seine Spiegelungen sind in den auf gräuliche Grüns reduzierten Gemälden zu sehen. Und die Gemälde sind groß. So groß, dass man den Spuren des Malers auf die Schliche kommen kann. Dass man begreift, das reflektierende Glas ist eine Metapher für Bilder. Wo es die Reflexion verweigert, da verweigert der Maler seine Rolle als Weltenbildner.
Auch in den kleinformatigen Fotografien geht es um Täuschung. Hier hat Rogalski durchsichtige Plastiktütchen von innen mit weißer Farbe bemalt, so dass sie wie Beutelchen voller Drogen erscheinen. Danach hat er sie abfotografiert, dafür aber auf den Kopf gestellt. Spätestens nun müsste das weiße Pulver herausrieseln, doch wie könnte es – es ist doch nur Illusion. Mehr noch. Rogalski hat die Beutel so geknickt und arrangiert, dass sie fast schon menschliche Züge bekommen, und sie dann Ghosts (Geister) genannt. Ein Geist ist schwer zu fassen. Und ist meist sowieso nur ein Hirngespinst. Wie auch das, was man gemeinhin auf Bildern zu sehen glaubt.
Zbigniew Rogalski: „Echo“ - ŻAK | BRANICKA, Berlin. Vom 1. Mai bis 20. Juni 2009
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