„Martin Dammann“
bei
Galerie Barbara Thumm
Es weilt so hoch, es blinkt so schön
von Astrid Mania
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Sind unter Martin Dammanns Namen zwei Künstler am Werk? Eine Einzelausstellung war angekündigt, aber die beiden Galeriestandorte sehen aus, als hätten sie nichts miteinander zu tun. An dem einen Ort hängen übergroße Schwarz-Weiß-Fotografien mit seltsam-soldatischen Motiven an den Wänden. In der Kreuzberger Dependance finden sich dann gewaltige, fast schon abstrakte Aquarelle. Dass sie auf fotografische Vorlagen zurückgreifen, ist ihre einzige, ferne Verwandtschaft mit den Soldatenbildern, historischen Fundstücken, die Dammann nur vergrößert hat. Wie ein Archivar präsentiert er darin Kriegsgeschichte als männliches Rollenspiel. Als Maler hingegen arbeitet er ein archetypisches Sammelalbum ab. Und treibt sein eigenes Medium an die Grenzen. Der Zusammenhalt? Man sieht ihn nicht.
Denn zu unterschiedlich sind seine beiden Strategien. Lange schon betätigt er sich als Sammler von alten Fotografien, die ihm als Vorlage für seine übergroßen Aquarelle dienen. Was im fotomechanischen Bild noch das Spezifische, Portraithafte ist, wird gemalt ins Allgemeine transzendiert. Die Bilder sind Projektionsflächen. Haben wir nicht alle solche Motive in den Fotoalben der Großeltern gesehen? Nun aber wirkt es, als durchforste Dammann das Album der Kunstgeschichte. Nostalgisch ist es immer noch. Eine Rückenfigur, fernwehkrank, schaut in die Landschaft. Eine Hütte, lichterloh in Flammen, wie bei David Lynch entnommen. Freier sind diese Bilder geworden. Manchmal brennt das Motiv regelrecht aus, wie schmelzendes Zelluloid. Gestischer auch, wenn Details in Farbwolken und transparenten Schlieren verschwimmen. Wenn der Hintergrund plötzlich von Bleistiftstrichen markiert wird. Dann setzt er dem Bild im Bild einen Rahmen, der gleich wieder übermalt wird. Es sind Reflexionen zum eigenen Medium, die deshalb anders sind als ihre unzähligen Verwandten, weil das Aquarell hier nicht als Hobbymalerei ausgeschlachtet wird, sondern in Dammanns Technik athletische Kraft entwickelt, um sich zu behaupten.
Wer nun erwartet, dass auch die Fotografien dieses Künstlers das Medium Fotografie reflektieren, irrt sich. Dammann hält sich nicht mit Fotogeschichte auf, seine Bilder sollen historische Umstände repoduzieren, deren Details er nicht der Malerei preisgeben will. Es entsteht eine Studie über die Sehnsüchte deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg, die das Weibliche, das ihnen fehlt, wie ein Maskenspiel nachstellen – Wehmut auch hier. So wird Dammann zum Forscher und Archivar, während er im gleichen Atemzug in seinen Aquarellen den selbstreflexiven Maler gibt. Beide Werkreihen sind Nostalgiekitzler. Das, zumindest, eint sie.
Martin Dammann: „Soldier Studies“ – Galerie Barbara Thumm, Berlin. Vom 1. Mai bis 6. Juni 2009
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