„Iñigo Manglano-Ovalle, Albrecht Schnider“
bei
Galerie Thomas Schulte
Der schöne Schein der Bombe
von Astrid Mania
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Warum ist es so reizvoll, wenn sich ein schöner Mensch als böse erweist – zumindest in der Fiktion? Weil uns die Alten Griechen gelehrt haben, das Schöne und Gute für eins zu halten! Oder kennt jemand aus der Kunst eine hässliche Madonna? Na also. Was aber ist mit den Dingen? Haben Dinge eine Moral? Könnte eine monströse Waffe zur Vernichtung Zehntausender schön sein? Bei Iñigo Manglano-Ovalle schon. Er spielt mit unserer Fixierung auf Äußerlichkeiten, wenn er uns etwas so harmlos Banales wie ein Transportfahrzeug als Inbegriff düsterer Bedrohung vorführt. Wenn er das wahrhaft Bedrohliche aber, eine Atombombe, als elegant stilisiertes Designobjekt auftreten lässt. Hier beugt sich das Gefühl dem Wissen und lernt, sich selbst zu misstrauen.
Denn das wirkliche Vorbild der mit Schmutz beworfenen Bombe (ohne Titel, 2008) war an Perfidie nicht zu überbieten. Manglano-Ovalle bildet „Fat Man“ maßtabsgetreu nach, jene Massenvernichtungswaffe, mit der Nagasaki zerstört wurde. Ausgestellt wird sie ohne jeglichen Kontext, allein in ihrer schlicht-edlen Form. In schimmerndem Weiß hängt sie an einem fahrbaren Gerüst und gibt sich ganz unschuldig, wäre sie nicht mit Schlamm beworfen. Als hätte jemand gerufen: „Schande über dich!“ Doch man bringt es nicht zusammen, das Wissen um die entsetzliche Macht dieses Vernichtungsmittels und sein ansprechendes Äußeres.
Genau das Gegenteil solcher Empfindungen bewirkt das neben der Scheinbombe gezeigte, 2008 entstandenen Video Juggernaut, vor dem man fast schon beschämt einsehen muss, dass alles eine Frage der Inszenierung ist. Hier blickt man auf eine schillernd weiße Landschaft, eine Eiswüste, so glaubt man. Zu sehen ist aber ein ausgetrockneter Salzsee in Mexiko, den der Großkonzern Mitsubishi kommerziell ausbeuten darf. Nach einer Weile schiebt sich ein Transporter ins Bild, aufgenommen von unten, bis zur halben Radhöhe. Sein wahres Aussehen, und mithin sein Zweck, bleiben unsichtbar. Mit seinem tiefen Schwarz, von bedrohlichem Rauschen begleitet, wird augenblicklich die Assoziation einer Kriegsmaschinerie geweckt. Etwas sehr Ungutes geht von diesem überlangen Transportwagen aus. So entsteht aus der Kombination zweier eigenständiger Werke eine intelligente Reflexion über Schein und Wirklichkeit, über Gefühl und Wissen.
„Iñigo Manglano-Ovalle“ und „Albrecht Schnider“– Galerie Thomas Schulte, Berlin. Vom 25. April bis 20. Juni 2009
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