„Alan Michael“
bei
Galerie Micky Schubert
Malerischer Rechenschieber
von Anne Haun
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Werden hier unsere Nachbarn geehrt? Knüpft Micky Schubert diplomatische Kontakte von der Oranienstraße zu den Oraniern und hisst die Flagge der Niederlande? Nein, dafür wirken die rot-weiß-blauen Farbstreifen zu unscharf. Eher so, als hätte man sich zu lange in einem Coffee-Shop aufgehalten. Was aber ist es dann? Farbfeldmalerei oder Streifendesign als repetitives Gestaltungselement? Alan Michael relativiert die schönen Utopien der abstrakten Kunst mit Hinweis auf die alltägliche Lebenswelt. Dort findet er andere subtile Schönheiten. Die vermeintliche Naivität der folienartig angelegten Farbsequenzen präsentiert sich als Spiel mit semantischen Möglichkeiten, das der Ausstellungstitel „In A Rotterdam Cell“ thematisch aufgreift. Malerei als Excel-Tabelle. Hier kann alles verschoben werden.
Die Flaggen wären nicht der erste Ausflug des Künstlers ins Profane. Seine stilistischen Spaziergänge durch die zeitgenössischen Möglichkeiten der Malerei sind legendär. Bekannt ist vor allem sein fotorealistisches Schuhwerk. Schlendernd bewegt er sich auf den ausgetretenen Pfaden zwischen Minimal, Pop und typografischer Werbeästhetik. Der Stilwechsel wird zum eigentlich konzeptuellen Werkzeug und erlaubt ihm eine individuelle Spurensicherung. Ausgehend von einer bildhaften Rhetorik loser Referenzsysteme, wie in den aktuellen Arbeiten mit der niederländischen Flaggensymbolik, verkümmert das seriell variierte Motiv schnell zur bloßen Anekdote. So am Nullpunkt des Sinns angekommen, entfaltet seine Malerei ihre sinnliche Fiktion und hält sich mit Bestimmtheit im Unbestimmten.
Spuren der malerischen Geste sind auf der Bildoberfläche bis hin zur Tarnung unsichtbar und kommen ohne jede Anmaßung aus. Keine visuelle Überwältigung, keine marktschreierische Umwerbung und konzeptuelle Verstrickung verwirren den Betrachter. Das Bild ist, was es ist. Fast scheinen die Leinwände im zurückgenommenen Einsatz der Mittel, in einer Art Warteposition zu verharren, um dann plötzlich den entscheidenden Impuls zu geben. Das Schauen wird zum Selbstzweck. Denn die Malerei löst die Wahrnehmung aus ihrer zweckbestimmten Fixierung. Sie legt einen sedierenden Schleier über die Komplexität der jeweiligen Realitätsfragmente. Doch welchen Stellenwert hat eine Malerei, die erst in der demonstrativen Demaskierung der ihr innewohnenden stilistischen Referenz und Inhaltlichkeit, die erst in dem Moment, in dem diese als bloße Attrappen entlarvt werden, eine subjektive Ausdruckssprache erreicht? Wird Form hier nicht allzu plakativ zum imaginären Steinbruch ihrer eigenen Entleerung?
Alan Michael: „In a Rotterdam cell“ – Galerie Micky Schubert, Berlin. Vom 1. Mai bis 20. Juni 2009
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