„Attila Csörgő“
bei
Galerija Gregor Podnar
Magnetischer Minimalismus
von Orsolya Abraham
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Mathematik und Gefühl, Erlebnis und Wissenschaft, Physik und Verstand. Sind das Gegensätze oder natürliche Ergänzungen mit einem gemeinsamen Nenner? Der ungarische Künstler Attila Csörgő stellt diese Frage erst gar nicht. Denn für ihn sind diese Variablen untrennbar. Sie verschmelzen und bilden so eine vollkommene, harmonische Einheit. Das ist Csörgő. Zerbrechlich und präzise berechnet zugleich. In seiner Bastlerwerkstatt experimentiert er mit den physikalischen Urkräften. Csörgő ist Kunst gewordene Wissenschaft. Minimalismus mit Magnetismus. Da scheinen unsichtbare Kräfte am Werk. Man steht und staunt. Bis man es verstanden hat. Aber warum so schwer, wenn es auch einfach geht?
Man muss Attila Csörgő nur erst einmal auf die Schliche kommen. Dann machen seine Arbeiten so viel Spaß wie die ersten Versuche mit einem Physikbaukasten. Kindliche Faszination. So besteht die 1991 entstandene Skulptur Magnet Spring aus insgesamt zwölf quadratischen Glasplatten, die sämtlich vor einer Wand frei im Raum schweben. Auf den ersten Blick wirkt es, als wären die Scheiben mit einem unsichtbaren Faden an der Decke befestigt. Doch das ist ein Trugschluss. Denn die Skulptur wird lediglich von runden, schwarzen Magneten zusammengehalten, die sich an- und abstoßen und alles in einem fragilen Gleichgewicht bewahren. An einigen Stellen werden die Abstände zwischen den widerstreitenden Kraftpunkten sichtbar. Das sieht aus wie aufs Material reduzierte Kunst, ist aber zugleich ein Einführungskurs in die Physik.
Auch in Drawing Machine (1992) kommt der Magnetismus zum Tragen: eine durchsichtige Scheibe, mit Magnetstaub bestreut. Darunter ein Plattenspieler mit mehreren beweglichen Armen, ebenfalls mit Magneten bestückt. Diese zwingen den feinen Eisenstaub zu einer kontinuierlichen Wanderung, so dass kleine, sich immer wieder verändernde abstrakte „Zeichnungen“ entstehen. Die neueste Arbeit Moebius Space (2003-2008) greift das Thema Perspektive auf und verarbeitet Filmstreifen zu Möbiusschleifen. Auf diesen zu sehen: Fotografien von Csörgő, entstanden mithilfe einer selbst gebauten Kamera, die Panoramaansichten so mehrfach auf den Kopf gestellt aufnehmen kann, dass sich eine Art motivisches Möbiusband ergibt. Das ist allerdings schon Physik für Fortgeschrittene. Dennoch: Die Symbiose aus Kunst und Wissenschaft funktioniert. Denn die Objekte von Csörgő sind mehr als Illustrationen wissenschaftlicher Versuchsaufbauten. Sie bewegen sich mit traumwandlerischer Sicherheit in beiden Welten.
Attila Csörgő: „Magnet Spring“ – Galerija Gregor Podnar, Berlin. Vom 2. Mai bis 20. Juni 2009
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