„Anne Collier, Corinne Wasmuht, Gabi Dziuba“
bei
Galerie Giti Nourbakhsch
Die Galerie als geräumiges Gefäß
von Daniel Kletke
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
In ein Kabinett dekorativer Grenzüberschreitung hat sich die Galerie Giti Nourbakhsch verwandelt und trotzt mit medialen und disziplinären Reflexionen tänzelnd der Rezession. Corinne Wasmuht lädt mit zwei Monumentalgemälden zu psychedelischen Wanderungen ein. Anne Collier wartet mit Fotos von Fotos auf und spielt mit Ironie und Medienkritik, entgeht bei aller Verfremdungstechnik aber nicht immer dem Risiko der Epigonalität. Gabi Dziuba wiederum ist Goldschmiedin. Sie besetzt mit ihrem Werk eine Nische zwischen Schmuck, Installation und Körperdekoration. Schmuckobjekte werden hier Kunst-Anlass. In harten Zeiten ist Vielfalt Trumpf.
Die Entscheidungen trifft dabei das Publikum. Wer sich beispielsweise Corinne Wasmuhts Holztafeln nähert, muss wählen. Die Möglichkeiten, ihre surrealen Landschaften zu betreten, sind vielfältig. In einer Mischung aus Psychedelie und Simulacron – also drogenbedingte Bewusstseinsveränderung und rein eingebildete Welt – scheint ein großer Film zeitgleich auf ungezählten Leinwänden zu laufen. Das funktioniert fantastisch, wenn es gelingt, ein Türchen zu öffnen und Sinn, Inhalt, Form oder Funktion zu entdecken. Wo das in den hermetischen Kompositionen nicht klappt, wächst die Gefahr, den überbordenden Bilderfindungen wie einem verselbständigten Computerprogramm zu erliegen – und das stupend dekorative Verfahren als künstlerische Willkür zu erleben.
Gabi Dziuba bietet da im Vergleich dechiffrierbarere Hinweise an. In ihrer radikal-persönlichen Umwertung des Design-Genres Schmuck hat sie eigene Maßstäbe entwickelt und durch Kollaborationen mit Künstlern wie Martin Kippenberger Objekte für eine Welt zwischen Schmuckstück, Installation und Körperdekoration ersonnen. Das goldene Miniaturschwert für Kippenberger: reine Ironie. Originell-innovativ sind auch die frei variablen Broschenerfindungen, bei denen man das vielteilige Objekt selber auf Körper oder Kleidung inszeniert. Schmuck ist der Künstlerin Anlass, über andere Themen zu sprechen. Bei den Totenköpfen, Kronen, Fragezeichen geht es um Maßstäbe und Verhältnismäßigkeiten. Am Ende aber dreht sich alles um Kunst. So werden Konventionen ironisch gebrochen. Statt künstlerischer Reizvielfalt wird Unvoreingenommenheit sichtbar.
„Anne Collier, Corinne Wasmuht, Gabi Dzubia“ – Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin. Vom 1. Mai bis 20. Juni 2009
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