„Hanne Darboven“
bei
Klosterfelde
Die eiserne Hanne
von Dominikus Müller
Gallery Weekend Berlin
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1. - 3. MAI 2009
Konzeptkunst als Kunst der Konsequenz – so könnte man das Werk der im März verstorbenen Hanne Darboven in aller Kürze zusammenfassen. In ihrer jetzigen Ausstellung wird an zwei Großwerken noch einmal deutlich, dass erst die uhrwerkgleiche Rigorosität Darbovens spröder Zahlenkunst zur Durchschlagskraft verhilft. Unerbittlich bildet sie das Verstreichen der Zeit in kalenderartigen Notationssystemen ab. Zu sehen ist ein fundierter Einblick in das Werk einer großen Künstlerin des 20. Jahrhunderts. Und doch gleicht Darbovens Werk in Zeiten der Krise unwillkürlich einem besonders vertrauenswürdigen Wertpapier. Es war immer schon abgeschottet gegen äußere Turbulenzen. Die Zeitläufte lassen es nun zum Sinnbild für Tradition und Geschichte erstarren.
Doch soll man die Künstlerin dafür verantwortlich machen, dass alles andere sich schneller verändert als ihre Schöpfungen? Der hohe Wiedererkennungswert lässt Darbovens Konzept wie einen besonders erratischen Block in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts erscheinen. Es gehorcht seinen eigenen Gesetzen. Ihre ellenlangen Kolonnen von Quersummen, die sie aus Kalenderdaten errechnete, sind ohne Bezugsrahmen gar nicht erst zu dechiffrieren. Für Wunschkonzert von 1984 etwa, das zuerst 2002 auf der „documenta XI“ in acht Aktenordnern zu sehen war, hat Darboven das gesamte gerade vergangene Jahrhundert auf über tausend Blättern notiert. In Berlin sind die 144 „Gedichte“ nun in Siebener-Reihen akkurat untereinander gehängt zum ersten Mal als Wandarbeit zu sehen. Mit einem jeweiligen Deckblatt, das mit alten Konfirmationskarten bestückt ist, sind die Reihen unschwer als Wochentage zu erkennen. Zusätzlich ist das gesamte Werk noch einmal nach musikalischen Kompositionsprämissen organisiert und teilt sich in Opus 17 und Opus 18, in denen Variationen in Notation und Anordnung wiederum jeweils zwei Sätze ergeben.
Das gut zehn Jahre ältere Card Index (1975) dagegen kommt noch wesentlich reduzierter daher und schmückt sich weder mit nostalgischen Dokumenten, noch erweitert es seinen Horizont durch Verweise auf Musik und Literatur. Hier existieren nicht einmal richtige Zahlen, sondern nur Wellen und Kästchen. Die Wirkung dieser bekritzelten Blätter, die den ganzen Raum einnehmen, ist in ihrer verschachtelten Organisation gelinde gesagt erschlagend. Am Ende einer Phase ökonomischen Wahnsinns ist es ironischerweise gerade die akkurat-geplante künstlerische (Zahlen-)Besessenheit, die zum Monument rationaler Verlässlichkeit wird.
„Hanne Darboven“ – Klosterfelde, Berlin. Vom 2. Mai bis 4. Juli 2009
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