„André Butzer“
bei
Galerie Guido W. Baudach
Standardisierte Nabelschau
von Hans-Jürgen Hafner
Gallery Weekend Berlin
38 PReviews,
1. - 3. MAI 2009
Ist das nicht Geschmiere? So könnten feiner malende Kollegen fragen. Fingerdicke Farben fließen hier nicht über das Bild, sondern kleben wie Zahnpaste auf der Leinwand. Netzpläne aus Signalgelb verbinden fleischig pastose Felder. Alles ist wild, aber in der Balance. Jede konturumzäunte Ölparzelle sitzt passgenau. Da ist Wildheit, aber kein Aufschrei, keine Botschaft. Nein, diese Kunst legt sich nicht quer, sie ist mit sich im Reinen. Warum? Weil sie Butzer ist. Und weil Butzer so seinen eigenen Standard setzt. Der Maler ist ein Seiltänzer. Löst er seinen Akrobaten-Standard ein, ist ein weiteres Werk fertig wie in früheren Jahrhunderten ein Feld Sonnenblumen auf Leinwand. Butzers Sonnenblumen tun so, als wären sie Geschmier. Sie sind aber Platzhalter für den Künstler selbst. Was Sie sehen, ist eine piekfeine Image-Performance.
So wäre es also ein Missverständnis, geradezu Unsinn, die Resultate Butzer‘scher Performance mit metaphysischem Tiefsinn auszuleuchten, als gäbe es bei genügend starker Beleuchtung ein Geheimnis im Hintergrund. Auch Butzerexperten mit Röntgenblick können unter den Klecksen nichts anderes lesen als den Klecks selbst. Was hier nach Authentizität aussieht, mächtig Ateliergeruch verbreitet und durchs Geschmiere hindurch lauthals „Genie“ schreit, lebt nicht von der Entäußerung einer Malerseele. Es ist durch und durch ein planvoll ins Konzeptionelle gewendetes Projekt. So ein Verfahren will weniger gekonnt, es will in Szene gesetzt sein. Damit grenzt sich diese aus spontan verschleuderter Farbmasse, expressiven Malakten und anderen als impulsiv geltenden Gesten inszenierte Selbstzurschaustellung gegenüber denjenigen Gemälden anderer Maler ab, die – teils provokant, teils kokett, doch stets traditionsbewusst – immer noch Geschmiere sein wollen. So stellen sie ihren Wert als Glaubenssache im Kampf pro und contra die Philister wieder her. Man könnte sagen, André Butzer verfolgt ein restauratives Projekt.
Die Wurzeln dieser Produktionshaltung reichen bis in den deutschen Expressionismus zurück. Sie funktioniert inzwischen da am besten, wo es gar nicht mehr um Gemälde, um Malerei geht. Zeitgemäß ist solche Kunst, wenn sie zugleich manieriert, provokativ und nach Tradition aussieht, allein um ein spezielles Künstlerimage zu kultivieren. Darin ist André Butzer Meister. Und deswegen sehen wir uns gern seine Bilder an, egal ob in Farbe oder schlichtem Grau – und selbst wenn sie allzu oft demselben Muster folgen.
„André Butzer“ – Galerie Guido W. Baudach, Berlin. Vom 1. Mai bis 13. Juni 2009
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