Gallery Weekend Berlin 2008
Ernsthafte Spielfreude
Martin Assig in der Galerie Volker Diehl, Berlin
Daniel Kletke /
2. Mai 2008
Martin Assig in der Galerie Volker Diehl, Berlin - artnet Magazin
Martin Assig – „Westwerk Havelhaus“ in der Galerie Volker Diehl, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 7. Juni 2008
In seiner aktuellen Ausstellung bei Volker Diehl präsentiert Martin Assig Gedankengebäude – im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Die Zusammenschau aus kleinen Architekturmodellen, Gemälden und Zeichnungen lädt dazu ein, eine Vielzahl existentieller Fragen abzuhandeln. „Westwerk Havelhaus“ betitelt Martin Assig seine Soloschau in der Galerie Volker Diehl. Im Zentrum stehen zwei Dutzend eigens für diese Ausstellung gebaute Objekte, die sich qua Material mit den ebenfalls gezeigten Gemälden und Zeichnungen verbinden. Assig verwendet nun schon seit Jahren vorzugsweise Wachs als Werkstoff und arbeitet in Enkaustik, einer archaischen, bereits im Alten Ägypten angewendeten Technik. Seine Objekte, sämtlich Architekturmodelle auf individuell angefertigten Sockeln, nehmen dezidiert Rekurs auf das christliche Mittelalter. So sieht man beispielsweise Variationen zu mittelalterlichen Reliquienschreinen oder Kirchenmodelle, die der Künstler selbst im Gespräch als Häuser bezeichnet, als Behälter oder auch als Körper, in denen Schicksale wohnen und an deren Oberflächen oft Sprüche prangen.
Die Kombination aus der sehr eigenwillig – teils bewusst naiv, teils ungelenk – ausgeführten Schrift und den offensichtlich von Hand gebauten farbigen Objekten demonstriert eine mit großer Ernsthaftigkeit gepaarte Spielfreude. Wortfetzen oder Gedankenfragmente stehen im Raum, laden zur Besinnung, zur Begutachtung ein, verlassen aber nie den spielerisch-assoziativen Parcours. Wenn man sich auf die von Assig angelegten Inhalte einlässt, dann verhandelt er nicht weniger als die grundsätzlichen Themen der menschlichen Existenz. So wenden sich Titel wie Kleinod (eine goldene Miniaturkirche auf einem schwarzen, an die Kaaba erinnernden Kubus) oder Inschriften wie MS Jenseits – dabei keinesfalls ironie- oder humorfrei – existentiellen Fragen zu, ohne jemals den Plauderton mit Kanzeldonner zu verwechseln.
Die Auswahl der Handzeichnungen und Bilder ist eine faszinierende Ergänzung zu den Gedanken, Formen und Fragestellungen, die der Künstler mit den Objekten vorlegt. Dabei reichen die Assoziationsebenen von der historischen Entdeckung des Blutkreislaufs bis zu Louis Sullivans Grundsatz „Form folgt Funktion“, auf Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie angewendet. So entfaltet Assig hier nicht mehr und nicht weniger als ein existentielles Universum, in dem er die Bedingungen und Errungenschaften der menschlichen Existenz gleichermaßen bestaunt wie vorführt.
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