Gallery Weekend Berlin 2008
Adieu interessant
Tal R bei Contemporary Fine Arts, Berlin
Hans-Jürgen Hafner /
2. Mai 2008
Tal R bei Contemporary Fine Arts, Berlin - artnet Magazin
Tal R – „Adieu interessant” bei Contemporary Fine Arts, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 14. Juni 2008
In der Galerie Contemporary Fine Arts präsentiert Tal R erstmalig Arbeiten, die das Ergebnis kollektiver Anstrengungen sind. Doch einen Vorstoß auf unerkundetes, unsicheres Terrain bedeuten diese neuen Collagen nicht. Die Vorteile eines an fast all seinen Flanken florierenden Kunstbetriebs liegen auf der Hand. Wenn nämlich die Produktions- und Verwertungsmaschinerien zwischen Ateliers, Galerien und Sammlern ganz ohne Zutun von Kritik und kuratorischer Evaluation heiß laufen – es mithin nahezu egal ist, wer welche Arbeit für wen mit welcher Intention gemacht hat, solange sie, öffentlich beklatscht oder auch nicht, nur ihren Abnehmer findet – dürfen wir uns dem unscheinbaren Luxus wichtigerer Fragen hingeben. Etwa der, welche Frontabschnitte des Kunstbetriebs tatsächlich noch für die Öffentlichkeit relevant sind oder wie mit einer Kunst umzugehen wäre, von der, schon lange bevor sie einsehbar und diskutierbar wird, feststeht, dass sie „gut“ ist.
Dass Tal R sehr viele, sehr schöne Arbeiten in verschiedenen Medien und Formaten produziert, ist bekannt. Genauso darf man wohl angesichts seiner Galerien und Sammler davon ausgehen, dass es sich dabei um gute Kunst handeln muss. Doch nun gibt es Neues zu entdecken. Bei seinen aktuellen, großformatigen Collage-Variationen, frisch gefertigt für seine Schau „Adieu interessant“, erprobt er nämlich gleich ein neues Produktionsmodell – ein Modell, bei dem der Künstler nicht als alleiniger Autor verantwortlich zeichnet, sondern als Regisseur eines kollaborativen Arbeitsprozesses auftritt. Dies könnte nun fast schon wieder von Interesse sein, denn die formalen und motivischen Rhetoriken, die Tal Rs Arbeiten bei aller Heterogenität bislang bedienten, verwiesen immer notorisch auf ihren Schöpfer zurück, auf sein Tun im Atelier, den subjektiven Kosmos seiner Bezüge.
Doch weit gefehlt! Die hier gezeigten neun Collagen, Variationen über eine Grundfarbe, eine strahlenförmige Basiskomposition und allerhand Material- wie Motivmixereien, zeigen von Kollaboration recht wenig, von Tal R dagegen wieder einmal sehr viel. Somit entsprechen sie vor allem der Betriebskonvention und die ist, wie gesagt, hinreichend bekannt und bietet wenig Angriffsfläche für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk.
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