Gallery Weekend Berlin 2008
Oliven und Hirten
Erik Schmidt, Marcellvs L. und Tomasz Kowalski bei carlier | gebauer, Berlin
Anne Haun /
2. Mai 2008
Erik Schmidt, Marcellvs L. und Tomasz Kowalski bei carlier | gebauer, Berlin - artnet Magazin
Erik Schmidt, Marcellvs L. und Tomasz Kowalski bei Galerie carlier | gebauer, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 7. Juni 2008
Die Galerie carlier | gebauer eröffnet ihre neuen, 800 Quadratmeter großen Ausstellungsräume in der Markgrafenstraße 67 mit gleich drei künstlerischen Positionen aus dem Galerieprogramm. Neben der zentralen Einzelausstellung von Erik Schmidt setzt die Galerie auch ihren bisherigen filmischen Schwerpunkt fort. Dabei lässt das Programm den Ehrgeiz erahnen, die ganze Vielfalt des Galerieangebots in weit auseinanderliegenden Positionen darzustellen. So reflektiert eine kontemplative Videoinstallation des diesjährigen Ars-Viva-Preisträgers Marcellvs L. in einem eigenen Medienraum Peter Eisenmans Berliner Holocaust-Mahnmal, während der angrenzende Projektraum die narrativ-verspielten Bilderwelten des Neuzugangs Tomasz Kowalski vorstellt.
Daneben ist Erik Schmidt zu sehen, der in den letzten Jahren als „Maler der Jagd“ reißenden Absatz gefunden hat. Neuerdings handeln seine Arbeiten von „Wein, Oliven und Hirten“ im Heiligen Land und widmen sich abermals der ästhetischen Relevanz eines romantisierten Klischees und seines archaischen Symbolgehalts. War es zuletzt der dekadente Zeitvertreib aristokratischer Parallelwelten, ist es nun die geografische und kulturelle Fremde, in die sich der Künstler zurückzieht, um das Vertraute von der Sterilität des Anderen neutralisieren zu lassen und ihm ohne die Infektionsgefahr tradierter Sehgewohnheiten den „reinen“ subjektiven Blick abzuringen. Obwohl Schmidts Malerei gestisch funktioniert und gefühlsbesetzte Sujets aufgreift, ist sie eher konzeptuell und das Resultat digitaler Farbmanipulation des fotografischen Ausgangsmaterials. Durch den grell-impressionistischen Farbrausch pastos gespachtelter Schichten, Furchen und Verwirbelungen verschanzt sich der Bildinhalt an der Leinwandoberfläche hinter den Schützengräben der Farbkrusten und löst sich erst in der Entfernung aus der vorgeblichen Abstraktion. Die wie von Hitze flirrenden Landschaften verbinden in ihrem überstrapazierten Expressionismus die Kunst der Einfühlung mit der Distanz der Betrachtung.
Malerei, so scheint es, formuliert hier selbst eine stereotype „Erinnerungspraxis“, die sich an die historischen Paradigmen der Gattung klammert, um die alten Fragen einer utopischen Verflechtung ästhetischer und politischer oder gesellschaftlicher Perspektiven erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Wieso der Maler sich dabei von den formalen Traditionen seiner Bildgattung so viel hilfreiche Wirkung erhofft, beantwortet die Ausstellung leider nicht.
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