Gallery Weekend Berlin 2008
Erstarrt zum reinen Zeichen
Bernhard Martin und Jonathan Lasker in der Galerie Thomas Schulte, Berlin
Daniel Kletke /
2. Mai 2008
Bernhard Martin und Jonathan Lasker in der Galerie Thomas Schulte, Berlin - artnet Magazin
Bernhard Martin und Jonathan Lasker in der Galerie Thomas Schulte, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 28. Juni 2008
Mit Bernhard Martin und Jonathan Lasker präsentiert die Galerie Thomas Schulte zwei recht verschiedene Positionen: die unkonventionelle Skulptur des Galerie-Neulings Martin mit ihren vielfältigen Bezügen zu Gesellschaft und Kunstgeschichte sowie die kontrollierte Malerei Laskers mit ihrer Muße zur Selbstreflexion. Im repräsentativen, weithin sichtbaren Schaufenster der Galerie Thomas Schulte gibt es mit der Skulptur Sour Cloud von Bernhard Martin einen neuen Künstler zu entdecken. Basierend auf ausgeklügelten Zeichnungen und Skizzen, die vor Ort zum Vergleich konsultiert werden können, sind die beiden zur Schau gestellten plastischen Objekte eine eher rezente Entwicklung des zuvor weitgehend als Maler bekannten Martin. Ohne Scheu kombiniert Martin Trouvaillen und Alltagsgegenstände mit minutiös durchkonstruierten Bronzegüssen. So macht er im Falle von Sour Cloud aus der vielschichtigen und vielmateriellen Gestaltung durch die Beigabe von Cowboystiefeln eine liegende männliche Figur – gesellschaftskritisches Augenzwinkern inklusive. Die beiden skulpturalen Kompositionen sind in ihrer Materialfülle von erfrischender formaler Klarheit und Genauigkeit und reflektieren durch ihre Heterogenität der Medien auch die Kunstgeschichte, besonders die der Moderne. Formal, inhaltlich und technisch stimulieren die Arbeiten Seh-, Denk- und Assoziationsnerven gleichermaßen.
Der Galerieraum ist den neuesten Gemälden von Jonathan Lasker vorbehalten. Der komplexe Herstellungsprozess, den er seit mehr als zwanzig Jahren verfolgt, führt zu den mittlerweile berühmten Tableaus, die in ihrer scheinbar abstrakten Malerei merkwürdig kontrolliert und unspontan wirken, was daran liegt, dass Laskers Ideenentwicklung langwierig ist. Ausgehend von teils klein- bis mittelformatigen Handzeichnungen liegen dieser synthetischen Malerei Maquetten zugrunde (ebenfalls in der Ausstellung), die der Künstler später eigenhändig und akribisch auf die monumentalen Leinwände überträgt. Ohne dieses Hintergrundwissen jedoch würde man erwarten, eine Form von Action oder Spontaneität in den Gemälden zu entdecken – schließlich sind sie doch so abstrakt. Aber in Laskers immer wieder neu reflektierter Frage zur Möglichkeit von Malerei heute erstarrt die ursprüngliche Gestik zu einem reinen Bildzeichen. Diese Malerei leistet sich, reine Malerei zu sein, noch dazu in einer Zeit, in der häufig der Idee Vorrang vor der Ausführung gegeben wird.
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