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Barry Johnston
Promotional Material for Closet Suns, 2008
Bücherregal, Bücher, Goldspray, Djembé, Taschenlampe, Isolierband, Lichterkette,
Camouflage-Ärmel
Größe variabel
Courtesy of Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Dirty Curating

Gruppenschau in der Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin

Astrid Mania / 2. Mai 2008

Gruppenschau in der Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin - artnet Magazin Gruppenschau in der Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 7. Juni 2008

Die Frage nach dem Sinn und der Aufgabe von Kunst stellt sich desto häufiger, je mehr sich ihre angestammten Orte wandeln. Statt hehrer Museen und heiliger Hallen etabliert sich Kunst neben Pop und Punk als Wohnzimmerausstattung einer gereiften Jugendkultur. Isabella Bortolozzi demonstriert in ihrer Galerie, wie man dieses Phänomen spöttisch-gewitzt ausstellen kann. Spätestens seit Mike Kelley sich des Unheimlichen annahm, gilt Los Angeles auch als Alptraumfabrik. So begegneten Sonia Campagnola und Isabella Bortolozzi bei ihren Recherchen in den Ateliers von L.A. genug Werken, die sich dem Dunklen und Ungezügelten widmen. Der ironische Titel ihrer Ausstellung – „Nobody Puts Baby in a Corner“ –  zitiert denn auch jenen Satz aus „Dirty Dancing“, mit dem sich die unterdrückte Jugend in ihrer schamlosen Sinnlichkeit endlich Bahn bricht. Passend dazu versammeln die Werke Barry Johnstons eine Djembé-Trommel, Bücher und Baseballschläger gemeinsam mit Bierdosen sowie einem selbst verfassten Gedicht zu einem dysfunktionalen Jugendzimmer, dessen pubertäre Bewohner am Ende Kunst studieren wollen (Promotional Material for Closet Suns, We’re the Band, Untitled, alle 2008).

Jim Shaws Paintings Found in Oist Thrift Stores (2007/2008) imitieren die kleinformatigen Gemälde von Hobbykünstlern, jedoch kommen die merkwürdigen Arbeiten mit biblischen und fantastischen Szenerien, mit klischeehaften Darstellungen der Geschichte und Gegenwart der USA daher wie die Ausgeburt eines Sonntagsmalers auf einem schlechten Trip. Die Filmsequenzen in Stephen G. Rhodes’ Galgen-Video-Installation Recurrency (2007) interpretieren einen ultimativen Alptraum – es ist Rhodes’ Fassung eines amerikanischen Kurzfilmklassikers über die Wunschbilder eines zum Tode durch den Strang Verurteilten.

Zu diesen drei Künstlern mit ihrer eher an der Populärkultur orientierten Formensprache gesellen sich die Arbeiten von Aaron Curry und Thomas Houseago, die den homogenen Eindruck der Ausstellung aufbrechen, denn sie filtern das Unheimliche und Monströse durch die Bildfindungen der Kunst und knüpfen mit ihren Skulpturen und Reliefs von Köpfen und tierartigen Gestalten an surrealistische oder dadaistische Traditionen an. In einer Kultur, die keine kulturell tradierten Ventile wie etwa das Märchen für das unterschwellig Bedrohliche hat, kommt der zeitgenössischen Kunst – so demonstriert diese Ausstellung – damit fast schon eine therapeutische Aufgabe zu.

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