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Maximilian Zentz Zlomovitz
The Misunderstanding, 2008
Installationsansicht in der Galerie Micky Schubert
Courtesy of Maximilian Zentz Zlomovitz und Galerie Micky Schubert, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Angekokelte Rollerblades

Maximilian Zentz Zlomovitz in der Galerie Micky Schubert, Berlin

Dominikus Müller / 2. Mai 2008

Maximilian Zentz Zlomovitz in der Galerie Micky Schubert, Berlin - artnet Magazin Maximilian Zentz Zlomovitz in der Galerie Micky Schubert, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 28. Juni 2008

In der Galerie Micky Schubert spielt Maximilian Zentz Zlomovitz mit dem Feuer und der Game-Konsole. Noch dazu gibt er den coolen Jungen mit Graffitivergangenheit. Herausgekommen ist eine Ausstellung, die auf mehreren Leveln mit Referenzen, Identitäten und Zeiten spielt. Dabei ist Zentz Zlomovitz’ Bezugspunkt ein Film und nicht etwa „Grand Theft Auto IV“. Doch auch David Cronenbergs „eXistenZ“ ist eine Parabel über den Status von Realität und Identität am Beispiel des Konsolen-Gamings, zusammengeschustert aus Technologie-Paranoia, überaus fleischlich inszeniertem Body-Snatcher-Horror und eingebauter Medienkritik-Knute. Nur: Der Film ist von 1999. Was damals radikal neu war und wahlweise utopisch oder dystopisch aufgeladen wurde, ist heute längst alltäglich. Da wirkt Cronenbergs Vision einer nahen Zukunft, in der Spielkonsolen sich als biomorphe Masse direkt mit den Rückenmarksnerven des Gamers verbinden, reichlich kurios. Und so hat der Künstler diese Ausstellung auch folgerichtig als eine Art Zeitkapsel in die eigene Jugend rückkonzipiert – Zlentz Zlomovitz ist, zumindest laut Biografie, 1983 geboren.

Was man hier dann realiter zu sehen bekommt, ist wahrscheinlich am besten mit einer Art abgefackeltem Retrofuturismus der allerneuesten Sorte beschrieben. Die drei installativen Arbeiten – ein Spiegelkabinett mit flackernden Neonröhren in zackiger Blitzform, eine leere, noch riechende und rudimentär blau angesprühte Öltonne sowie ein seltsam ineinander geschachtelter Turm aus Metall-Kuben und Plexiglasverschalungen – sind alle mit angebrannten Elementen, die ihre Provenienz aus den 1990er Jahren schwerlich verleugnen können, miteinander verbunden: Halb geschmolzene Video-Tapes, angekokelte Rollerblades und eine Nachbildung besagter Fleisch-Konsole wirken so, als hätten sie gerade einen etwas überhitzten Ritt durch den viel zu kurzen Zeittunnel hinter sich gebracht.

Dazu präsentiert Zentz Zlomovitz im Hinterraum eine Reihe von Wandarbeiten, die das Blitzmotiv wieder aufnehmen. Auf der letzten Leinwand ist dieser Blitz in das Graffiti-Tag „MZZ“ gewandert – unschwer zu erkennen als akronyme Künstlersignatur. Und wer bedenkt, dass der einzige Beweis der „eXistenZ“ eines anonymen Graffitiwriters sein Namenskürzel an der Wand ist, erkennt darin auch eine Art Selbstporträt. Zusammengenommen ergibt das eine Art überdimensionierten Schnellkochtopf, in dem die postadoleszente Künstlerfigur in Windeseile Realitäten, Zeiten und Identitäten – die eigene eingeschlossen – zusammendampft. Die Galerie als Spiele-Level, Kunst als Virtual Reality und Künstler-Sein als augenzwinkernde finale Fantasie. Goodbye 1999, willkommen 2008!

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