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Nathan Carter
Daphne Javitch in Kollaboration mit Nathan Carter GESU MARIA!!! WHAT AN
ADVENTURE!,
2008
Foto: Nathan Carter
Courtesy of Nathan Carter und Esther Schipper, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Der Tanzschritt des Kollektivs

Nathan Carter und RothStauffenberg bei Esther Schipper, Berlin

Henrike Thomsen / 2. Mai 2008

Nathan Carter und RothStauffenberg bei Esther Schipper, Berlin - artnet Magazin Nathan Carter – „Three On The Tree Radio Pho And the Black Thunderflash“ und RothStauffenberg bei Esther Schipper, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 7. Juni 2008

Zuweilen führt Kunst ein Doppelleben. Mal verbirgt trügerische Schönheit ein gedankenschweres Konzept, mal verhüllt ein Konzept, dass es sowieso nur um oberflächliches Vergnügen ging. Nathan Carter und Band hingegen setzen ihre Utopie vom künstlerischen Kollektiv umweglos in suggestive Rhythmen um. Eine gute Tanzbewegung vereint für einen kurzen Moment viele utopische Ziele: Harmonie mit dem Selbst und dem Tanzpartner (oder den übrigen Tänzern rundum), Öffnung des Körpers in Raum und Zeit, wortlose Verständigung, kraftvolle Dynamik. Solch eine gute Tanzbewegung verspricht der Sound von Nathan Carter und Band bei Esther Schipper. Wer die von der Linienstraße zurückgezogene Galerie durch den kleinen, steil ummauerten Hof betritt, fühlt sich von einer Art „Blauem Klang“ erfasst und schwingt auf den sichtbar gemachten Kreativfrequenzen des New Yorker Künstlers und seiner Mitstreiter Matthew Ronay, Justin Beal, Daphne Javitch, Paul Elliman mit.

Im Zentrum der Installation, die sich alle Räume, Wände, Ecken, Möbel und selbst die Fenster erobert hat, stehen drei große Arbeiten Carters. Auf den ersten Blick handelt es sich um spielerische Mobiles und Assemblagen, die mit der Strahlkraft der Primärfarben prunken (besonders Blau). Bei näherem Hinsehen bilden die konstruktiven Formen aber rationale Strukturen nach und folgen beispielsweise der strategischen Funktionalität von Konstruktionsplänen und Landkarten. Hinter dem unbekümmerten, fast naiven Look entwickeln die Objekte ein Zweitleben als Schaltkreis eines alten Radios, als olympischer Ski-Parcours oder kalligrafischer Code.

Die Band greift die von Carter vorgegebenen Riffs und Läufe auf, variiert in ihren Installationssolos mal in Richtung eines reinen freien Formenspiels, mal in Richtung Gegenständlichkeit. Eine Wandzeitung dokumentiert den Entstehungsprozess und drängt die Idee eines entrückten, bis ins letzte durchdachten und vollendeten Kunstwerks noch weiter zurück. Was sich als „Kunst“ hier dem Betrachter zeigt, ist der ästhetische Niederschlag einer utopischen sozialen Praxis: das freie, weitgehend gleichberechtigte Schaffen im Kollektiv. Zu Eröffnung werden am Freitagabend „The Final Run Ins“ spielen – Nathan Carters und Matthew Ronays Antwort auf Metallica.

Über das zuversichtliche energiegeladene Treiben beugen sich unterdessen skeptische Blicke: RothStauffenberg installieren hoch oben auf den Dachsimsen fünf ihrer dubiosen Puppen.

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