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Troels Wörsel
Ohne Titel, 2008
Acryl auf Leinwand
200 x 200 cm
Courtesy of Aurel Scheibler, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Bild gegen Auge

Tom Chamberlain und Troels Wörsel bei Aurel Scheibler/ScheiblerMitte, Berlin

Stefan Kobel / 2. Mai 2008

Tom Chamberlain und Troels Wörsel bei Aurel Scheibler/ScheiblerMitte, Berlin - artnet Magazin Tom Chamberlain und Troels Wörsel bei Aurel Scheibler/ScheiblerMitte, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 26. Juni 2008

Aurel Scheibler zeigt an seinen beiden Standorten im Westen und in Mitte These und Antithese der Malereitheorie. Der junge Brite Tom Chamberlain sieht dabei besser aus als der Mid-Career Artist Troels Wörsel – und unschärfer.

Filme werden häufig als gut empfunden, wenn sich der Betrachter in ihnen verliert und völlig in dem Gesehenen aufgeht, die Realität hinter sich lässt und im Geiste in die künstliche Welt eintritt. In der Malerei ist dieses Phänomen selten zu beobachten, braucht es dafür doch Geschichten, die aber mit Farbe auf Leinwand gegenwärtig eher ungern erzählt werden. Die Gemälde von Tom Chamberlain – zu sehen bei Aurel Scheibler tief im Westen Berlins – erreichen dennoch diesen Effekt und kommen erstaunlicherweise gänzlich ohne irgendeine Erzählabsicht aus. Die bringt der Betrachter sozusagen selber mit, sofern er sich nicht vom Bild aufsaugen lässt.

Die vermeintlich monochromen Oberflächen sind tatsächlich aus hunderten von Farbschichten aufgebaut, von denen jede gründlich abgeschliffen wurde. Durch dieses Verfahren bleibt der Farbauftrag extrem dünn. Aus der Ferne fallen zarte,  wellenartige Strukturen auf, die vom vielmaligen Handschleifen der Oberflächen hervorgerufen werden und sich dem genauen Blick immer wieder entziehen. Das Gehirn versucht, Gestalt in dieses leichte Wabern zu bringen, Figuren zu formen, Sinn zu stiften. Eine Geschichte will sich jedoch nicht einstellen, alles Narrative verflüchtigt sich sofort wieder. Man tritt näher. Doch je näher der Betrachter an die Bilder herantritt, umso mehr verschwimmt die Unschärfe. Die Wellenstruktur wird zunächst wolkig, um dann ganz zu verschwinden. Schlimmer noch: Beschränkte sich die Unsicherheit zunächst auf zwei Dimensionen, scheint das Bild jetzt aus sich herauszutreten, die Farbe kommt dem Auge entgegen. Es verliert völlig die Distanz zum Gemälde, die Entfernungsempfindung gegenüber dem Bildträger wird völlig diffus. Im vergeblichen Bemühen, die gegenüberliegende Fläche zu fixieren, tritt man immer näher heran, was den Effekt nur noch verstärkt. Zurück bleibt eine Verwirrung, die sich nach handfester Augentäuscherei sehnt.

Die liefert dann ScheiblerMitte mit Gemälden des Kölners Troels Wörsel – der übrigens auch immer noch in Köln lebt. Man sieht den Werken ihren Theoriegehalt an, ohne dass das Ergebnis einen tieferen Eindruck hinterlassen würde. Die Rückseite eines Gemäldes, die den  Eindruck erweckt, als schlage die bemalte Vorderseite eines Bildes durch, kann eben nur so interessant sein wie die vermeintliche Vorderseite.

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