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Dan Attoe
Biker Gang with Bonfire, 2008
Öl auf Leinwand auf Tafel
62 x 62 cm
Courtesy of Peres Projects, Berlin/Los Angeles
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Gallery Weekend Berlin 2008

Waldwurzelnde Faszination

Dan Attoe bei Peres Projects, Berlin

Dominikus Müller / 2. Mai 2008

Dan Attoe bei Peres Projects, Berlin - artnet Magazin Dan Attoe – „Simple Thoughts and Complicated Animals“, Peres Projects, Berlin. Vom 2. Mai bis 21. Juni 2008

Wenn man langjährige Konsumenten gepflegter cineastischer Schauerdramen einladen würde, ihr Amerikabild zu visualisieren, käme dabei vielleicht so etwas wie Dan Attoes neue Ausstellung heraus: eine Safari durch die Groteske der Provinz. Warum zeigt Peres Projects Dan Attoes Simple Thoughts and Complicated Animals in Berlin? Man wird den Verdacht nicht los, nur deshalb, weil es so amerikanisch wirkt. Dabei ist die Galerie nun auch schon mehr als zwei Jahre hier. Währenddessen hat sich der ehemalige europäische Brückenkopf des ursprünglich aus Los Angeles kommenden Unternehmens unter der Hand zum Hauptquartier der Galerie gewandelt. Das Künstlerprogramm indes ist immer noch amerikanischer, als man es irgendwo sonst in Berlin findet – das jüngste Beispiel für den kontinentalen Kulturtransfer sind zweifellos die Bilder und Neoninstallationen Attoes.

Seine Motive sind Hütten in den einsamen amerikanischen Wäldern, irrlichternde Teenager auf Selbstmordkurs oder tanzend in entrückter Ekstase, Gruppensexorgien auf dem Bürotisch oder diabolisch ins Feuer grinsende Bikerhorden mit Bier, verlassene Riesenparkplätze. Die Stimmung changiert zwischen Caspar David Friedrichs romantischen Landschaften und Twin Peaks’schem Paranoia-Surrealismus-Sumpf. Oder um Attoes Ansatz mit einer dummen Namensverwandtschaft noch ein Stückchen näher auf den Pelz zu rücken: Sie ist irgendwo zwischen Edward und Dennis Hopper angesiedelt – auf der einen Seite stillgestellte und melancholisch angehauchte amerikanische Straßenszene und auf der anderen wirrer Road-Trip mit desaströser Junkie-Morbidität.

Man hat es hier – das ist schnell klar – mit einer intuitiven Vermessung Amerikas zu tun, nicht nur der glatten Oberfläche, sondern auch der schnell unangenehm werdenden Unterseite. Attoes Neonröhren-Installationen etwa verweisen ziemlich direkt auf die Trostlosigkeit der Bar-, Club- und Motel-Reklamen amerikanischer Provinznester. Die Slogans, die darauf zu sehen sind, sind von erschlagendem Nonsens, legen aber eine typisch amerikanische Catchyness an den Tag, wie man sie diesseits des Atlantiks vergeblich sucht. Östlich von New York tut man sich deshalb schwer mit dieser seltsamen und tief im Dunkel des mythischen amerikanischen Waldes wurzelnden Faszination für angetrunkene und tätowierte Trailer Park-Bewohner oder deren Brüder im Geiste. „Lost in Translation“ sozusagen und somit eigentlich schon fast wieder wohl kalkulierte Plansoll-Erfüllung in einer Galerie, die sich so konsequent als transatlantisches Raumschiff inszeniert wie sonst keine. 

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