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Simone Gilges
Amor, 2008
Silbergelatine-Print
24 x 30 cm
Courtesy of Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Nachtgewächse

Simone Gilges und Sean Landers in der Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin

Dominikus Müller / 2. Mai 2008

Simone Gilges und Sean Landers in der Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin - artnet Magazin Simone Gilges – „geschlossene Gesellschaft“ und Sean Landers – „Chagrins of the New Episteme“ in der Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin. Vom 2. Mai bis 14. Juni 2008

Giti Nourbakhsch zeigt zum Gallery Weekend mit Simone Gilges und Sean Landers gleich zwei Künstler. Dabei hat sie Positionen zusammengebracht, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf den zweiten Blick lanciert die Galerie so einen Kommentar über den Zustand der (Kunst-)Welt. Dabei gehen die beiden künstlerischen Kommentatoren ganz entgegengesetzte Wege. Sean Landers zeigt eine Reihe von sechs Textbildern, vollgeballert mit Slogans, deren thematische Klammer eine mal mehr, mal weniger explizite Verschlagwortung des herzlos kommerzialisierten Schicksals der Gegenwartskunst ist: Textfetzen, Kampfrufe und Wirtschaftsweisheiten à la „Test Market“, „Saleability equals Equality“, „Perfect Product“ oder „Whore yourself“. Das alles ist mehrschichtig übereinander gepinselt, so dass die einzelnen zusammenhängenden Passagen einander überblenden. Diese chaotische Dichte lässt Landers’ Bilder irgendwann aussehen wie das bekritzelte Chartboard eines Managergremiums nach mehrstündiger Krisensitzung. Dass der marktkritische Gehalt ihrer Aussagen erst bei genauerem Hinsehen zu dechiffrieren ist, gibt den Arbeiten den Charme eines recht wohlgefälligen trojanischen Pferdes, das man aus dem Ausstellungsraum im besten Fall an einen Platz an der heimischen Wand direkt über dem Mark-Newson-Chair schmuggelt.

Im Obergeschoss dagegen geht Simone Gilges den privateren Weg in ein Kabinett mit poetischem Anklang. „geschlossene Gesellschaft“ heißt ihre Show dann auch konsequent. Der Eingang ist abgeschirmt. Ihre auratisch beleuchteten Fotografien sind von auf Keilrahmen aufgespannten Stoffen eingefasst und mit museal anmutenden Messingplaketten versehen, auf denen es kurze Textfragmente der eher introvertiert- verspielten, manchmal auch schon psychotischen Sorte zu lesen gibt. Ihre Porträts und Fotografien von verwunschenen Wäldern und Cupidos, die den Pfeil auf sich selbst richten, sind mit schwarzem Trauerflor verhüllt oder behängt – eine Distanzierung, die fast so wirkt, als wolle man die Bilder vor den Augen des Betrachters schützen. Wie scheue Nachtgewächse, die das Neonlicht des White Cube scheuen, verschwinden sie geradezu hinter Stoff und Wandeinfassung und bleiben lieber unter sich. Wo Landers im Erdgeschoss die subversiv organisierte Flucht nach vorn antritt, treten diese Bilder auf verstörende Art den Auszug aus den vom Blitzlicht beleuchteten Arenen der Kunstwelt an. Auch Kapitulation kann eine Form der Kritik sein – man muss sie nur richtig inszenieren.

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