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Aïda Ruilova
two-timers, 2008
Foto: Nick Ash
Courtesy of Galerie Guido W. Baudach, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

In den Ruinen der Erinnerung

Aïda Ruilova in der Galerie Guido W. Baudach, Berlin

Dominikus Müller / 2. Mai 2008

Aïda Ruilova in der Galerie Guido W. Baudach, Berlin - artnet Magazin Aïda Ruilova – „two-timers“ in der Galerie Guido W. Baudach, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 14. Juni 2008

Die düsteren Videoarbeiten von Aïda Ruilova waren in Deutschland bislang nur auf der 4. berlin biennale 2006 und der letztjährigen Gruppenausstellung „between two deaths“ im ZKM Karlsruhe zu sehen. Bei der Galerie Guido W. Baudach hat die Künstlerin jetzt ihre erste Galerieausstellung in Berlin. Ihr hart kontrastiertes Schwarzweiß-Video two-timers zeigt eine junge Frau, die nicht etwa mit Delfinen im sonnendurchfluteten Ozean schwimmt, sondern gemeinsam mit einer Ratte durch dunkle Wasser treibt, immer wieder schlaglichtartig erleuchtet von Blitzlichtern und auf der Tonspur von digitalen Dronesounds begleitet. Diese Bemühung klassischer Horrorfilm-Sujets und menschlicher Urängste funktioniert für sich genommen erstaunlich gut. Der eigentliche Effekt der Arbeit aber, ein beunruhigendes Gefühl der Orientierungslosigkeit, wird erst durch die verwirrenden Schnitte ausgelöst: Schon innerhalb der Videoschleife fühlt man sich in zirkulären Wiederholungen gefangen, die sich erst auf den zweiten Blick in unscheinbaren Details unterscheiden, bis am Ende jede Vorstellung von Anfang und Ende komplett verloren geht. Währenddessen verleitet die Tonspur immer wieder zum Glauben an eine übergeordnete Erzählstruktur, die von der Zirkularität des Arrangements aber unterlaufen wird. So entsteht zuletzt ein beständiges Kreisen zwischen Subjekt- und Objektposition, ein Kammerspiel um Kontrolle und Kontrollverlust.

An der Außenseite der imposanten Kinozelle, in der dieser Wettlauf zwischen Sinn suchendem Betrachter und Film aufgeführt wird, sind 26 am Alphabet orientierte, auf Plastik übertragene und ins Dreidimensionale geformte Fotoreliefs in knallig-poppigen Farben montiert: Menschen, die ihre Körper in die Form von Buchstaben biegen, oder aber auch Gegenstände und Körperteile, deren Anfangsbuchstaben ihrer Stelle im Alphabet entsprechen. System und Vollständigkeit werden von „A bis Z“ suggeriert, aber beständig gebrochen zugunsten eines assoziativen Prinzips, das mehrere Lesarten zulässt.

Ein kohärentes Modell kann sich also nirgendwo durchsetzen. Man bleibt gefangen in der Struktur einer wegbröckelnden Bedeutungsproduktion, findet sich allein mit Ruinen der Erinnerung, mit Gedankenfetzen und letzten Resten dessen, was einmal Sinn machen sollte. Zu der Behauptung Jacques Lacans, dass das „Unbewusste strukturiert ist wie eine Sprache“, ist es von hier aus nicht weit. Selten so tief in den Schlund des eigenen Begehrens nach sinnhafter Ordnung der Welt gefallen! Was bleibt, ist Unheimlichkeit galore.

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