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Nader Ahriman
Die absolute Negation – Schlecht-unendlicher Selbstbezug der Subjektivität und der Seele, 2007
Acryl auf Leinwand
240 x 170 cm
Courtesy of Klosterfelde, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Mit dem Zweitknie

Nader Ahriman bei Klosterfelde, Berlin

Gerrit Gohlke / 2. Mai 2008

Nader Ahriman bei Klosterfelde, Berlin - artnet Magazin Nader Ahriman – „Negation Of Negation“ bei Klosterfelde, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 6. Juni 2008

In seiner Ausstellung bei Klosterfelde malt Nader Ahriman, der 1964 geborene Exil-Iraner, die Negation der Negation. Er spricht lieber von Hegel als von Formen und malerischer Manier. Eigentlich aber handeln seine Gemälde davon, wie aus Denken und Geschichte Bildsprache entsteht. Die absolute Negation auf Leinwand zu malen ist als Idee so naheliegend, wie ein Wandfresko über den dritten Hauptsatz der Thermodynamik anzufertigen. Nichts spricht dagegen. Aber man fragt sich sofort, ob es nicht geeignetere Medien gibt. Im Falle quantentheoretischer Konstanten könnte das die physikalische Forschungsliteratur sein, im Falle der absoluten Negation die philosophische Auseinandersetzung mit Hegel. Nader Ahriman aber hat sich für die Malerei entschieden und ergänzt sie in seiner neuesten Ausstellung mit einem dem Publikum aus der Wand entgegentretenden Hochrelief. Auf ihm hat die „Negation der Negation“, so der Ausstellungstitel, leibhaftige Gestalt angenommen und tritt als bildhauerisches Abbild eines doppelten menschlichen Knies in Erscheinung.

Damit ist für diese Ausstellung eine Konstante, eine Art bildhafter Ahriman’scher Hauptsatz geschaffen, eine Formel für die Verdoppelung der Verneinung, des Zweifels, vielleicht auch der Verzweiflung. Immerhin ist das negativierte Knie ein ganz und gar unbrauchbares Knie, das sich zu zwei Seiten wendet und nicht von der Stelle kommt. Beugt das Bein sein eines Knie, winkelt es sich mit dem Zweitknie zur anderen Seite an. Alle weiteren Figuren und Objekte – borrominische Säulen, Dornenkronen mit dem Hoheitsabzeichen der amerikanischen Luftwaffe, Magdalena zu Füßen Christi – die Ahriman auf seinen Gemälden versammelt, verhalten sich zu diesem wieder und wieder kopierten Knie wie ein Planetensystem zur Sonne. Es handelt sich freilich um ein noch immer unerforschtes Planetensystem, von dem nicht ganz klar ist, ob es begrifflich auf den Punkt zu bringen ist oder eher eine Beschwörungsformel für seinen Schöpfer darstellt. Vielleicht hat die Negation sich längst durchgesetzt, auch in Nader Ahrimans Weltmodell, und das Knie oder die kosmischen Farbexplosionen im Hintergrund beschwören im Zusammenklang nicht nur die Schöpfungsgeschichte, die Welthistorie, sondern eben und gerade auch das Wesen der Malerei.

Am Ende erscheint diese Ausstellung wie ein Perpetuum Mobile und verstößt damit gegen die Gesetze der Thermodynamik, wie nur die Malerei das darf. Diese Gemälde zeigen, wie ein Künstler Formeln erfindet, um Bilder zu malen. Am Ende sind die Bilder Rätsel über ihren eigenen Zusammenhang. Wie gerinnt ein Gegenstand zur Formel? Zeigen die Bilder noch gemeinsame oder nur noch private Zeichen? Diese Ausstellung handelt von der Willkür und Logik der Gegenwelt. Sie handelt von den Grenzen des Malens.

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