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Mona Hatoum
Globe, 2007
Weichstahl
Ø 170 cm
Foto: Ela Bialkowska
Courtesy of Galerie Max Hetzler, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Gebinde aus Büchsen

Mona Hatoum und Frank Nitsche in der Galerie Max Hetzler, Berlin

Thea Herold / 2. Mai 2008

Mona Hatoum und Frank Nitsche in der Galerie Max Hetzler, Berlin - artnet Magazin Mona Hatoum in der Galerie Max Hetzler Temporary, Berlin. Vom 2. Mai bis 28. Juni 2008
Frank Nitsche in der Galerie Max Hetzler, Berlin. Vom 2. Mai bis 14. Juni 2008

Es bleibt sich gleich, ob man es Landkartenstrich, Paragraf, Gebot, Kreditlinie oder Geschlechterrolle nennt. Viele Grenzen verlaufen im Kopf. Mona Hatoum macht sie für uns sichtbar oder markiert mit Symbolkraft und Hintersinn neue. Der Maler Frank Nitsche hat eine seiner Grenzen überschritten und stellt neben Bildern zum ersten Mal Objekte aus. Räumliche Grenzen setzt sogar die Fabriketage in den Osramhöfen. Doch erstmal ist hier viel Platz für die neuen Installationen von Mona Hatoum. Zusammen mit früheren Werken ergeben sie eine kleine Galerie-Retrospektive auf nahezu musealem Niveau. Der Parcours führt vom Globus, einem ihrer käfigähnlichen Metallobjekte, vorbei an den enigmatischen „Waxpaintings“ auf Masa-Papieren zu selten gezeigten Fotos und neuen Bodenobjekten. Auch frühe Mixed-Media-Arbeiten mischen mit, in denen sie unsere eurozentristischen Weltkartenprojektionen mit radikaler Zärtlichkeit übermalte. Der raue Boden im Dachgeschoss wird dann als reizvoller Kontrast für einen neuen roten Kreis aus Kabeln (under current, red) genutzt, dessen äußere Enden ein dekorativ verschnörkeltes, rotes Rondell ergeben und so über achtzig gedimmte Glühbirnen beliefern, die sanft pulsierendes Licht aussenden. 

Auch zum Innenleben der gar nicht so heimeligen Installation home gehört attraktiver Kabelsalat. Er überzieht den Tisch mit Durchschlag und Fleischwolf, den ganzen Küchenkram von Kartoffelquetsche bis Knoblauchpresse. Alles ist unter Strom gesetzt und wird zusätzlich versperrt von knisternden Kabeln. Der leise knackende Trafosound wird von zwei Lautsprechern verstärkt. Eine Weltkarte wird in roten Teppichflaum gescharrt. Doch damit einen nature morte aux grenades, diese farbklaren mundgeblasenen Glaskörper, an Handgranaten aus aller Herren Länder erinnert, muss man schon sehr nahe herantreten. Wer nicht genau genug hinschaut, den entlassen diese Arbeiten als dekoratives Bühnenbild. Ein skulpturales Doppelleben.

Auch Frank Nitsche hat Grenzen hinter sich gelassen und schwelgt in einer für ihn ganz neuen Farbigkeit, die an brandaktuelle Pop-Variationen im iPhone-Design erinnert. Auf jeden Fall sind seine erstmals gezeigten Säulen-Objekte schon jetzt Liebhaberstücke. Gebinde aus Büchsen, Aufklebern und Werbezetteln als skulpturale Stelen bezeugen manische Sammlerlust. Die fröhlichen 3-D-Collagen waren irgendwann einmal evolutionär gewachsenes Ateliermobiliar, Recycling alltäglich anfallender Verbrauchsmaterialien und Reisetrouvaillen, eine spielerische Gegenpraxis zu Nitsches eleganzversessener Malerei. Jetzt sind sie draußen im Handel.  Privatwerke gibt es nicht mehr. Der Markt holt sich alles.

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