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Carsten Nicolai
Tired light split vertical, 2007
Acryl auf polyesterbespanntem Aluminiumrahmen, Print auf Aluminium
180 x 130 cm
Foto: Uwe Walter
Courtesy of Galerie Eigen + Art, Leipzig/Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2008

Kosmische Klumpen

Carsten Nicolai in der Galerie Eigen + Art, Berlin

Dominikus Müller / 2. Mai 2008

Carsten Nicolai in der Galerie Eigen + Art, Berlin - artnet Magazin Carsten Nicolai – „tired light“ in der Galerie Eigen + Art, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 28. Juni 2008

Wissenschaftler interessieren sich selten für bildende Kunst. Umgekehrt empfinden viele Künstler eine unerfüllte Liebe zur Wissenschaft. Ein Veteran, der diese romantische Sehnsucht durch seltene Beständigkeit und praktische Ausdauer diszipliniert, ist Carsten Nicolai. Aus dem Nicolaischen Labor wird diesmal zweierlei geliefert. Da wäre zum einen die mehrteilige Arbeit tired lights, die in Titel und Konzeption auf die kosmologische Theorie der Ermüdung des Lichts zurückgeht, wie sie der Physiker Fritz Zwicky 1929 vorgelegt hat: Je größer die zurückgelegte Entfernung, desto mehr verliert Licht an Energie. Bei Eigen + Art bekommt man dazu wenige Zentimeter tiefe, aber großformatige Schaukästen zu Gesicht. Die beeindruckende Intensität der gelblich-orangen Farbe entsteht durch den Abstand zwischen einer gelben Gazefront und durchscheinenden, mit den eigentlichen Farbflächen und -verläufen bedruckten Prints auf der Rückwand der Kästen. Das erinnert sowohl von der Komposition der weichrandigen Farbflächen wie auch von der Strahlkraft der Farbe her an ein lichtphysikalisch grundiertes Mark-Rothko-Update – nur eben in Gelb und nicht in Rot und Braun. Doch das ist nicht weiter schlimm, geht es Nicolai hier doch gar nicht um eine – laut Pressetext – „wörtliche Auseinandersetzung“, eine „Visualisierung der Theorie“, sondern um einen „eher ästhetischen Blick auf das Phänomen“. Da die Arbeiten genau so auch fantastisch funktionieren, bleibt die Frage, warum unbedingt Zwicky und die „Lichtermüdung“ herbeizitiert werden müssen.

Zum anderen sind da die Cluster betitelten Skulpturen – silbern glänzende Klumpen mit grober, holpriger Oberfläche. Wäre die Farbe eine andere, so könnte man die Skulpturen für überdimensionierte Goldnuggets halten. Doch es sind Neusilber-Abgüsse von Luftballons, mit Tennisbällen gefüllt. Auch sie können eine gewichtige Autorität hinter sich wähnen, ihr  Bezugspunkt ist ein Experiment des „amerikanischen Architekten Buckminster Fuller zur Packung von Kugeln im Raum – der so genannten Keplerschen Vermutung“ (Pressetext). Würde hier doch ein wenig mehr gelacht als gedacht, denn die Geschichte zum Entstehungsprozess dieses silbernen Haufens gibt eine fantastisch-hintergründige Groteske ab. Aber so drängt sich die Vermutung auf, dass die Beschäftigung der Kunst mit der Wissenschaft schon längst einer Verwandlung der Kunst in Design Platz gemacht hat. Und dieses Problem scheint der Ausstellung erschreckend unbewusst.

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