Gallery Weekend Berlin 2008
Ein Puppenheim
Muntean/Rosenblum bei Arndt & Partner, Berlin
Anne Haun /
2. Mai 2008
Muntean/Rosenblum bei Arndt & Partner, Berlin - artnet Magazin
Muntean/Rosenblum bei Arndt & Partner, Berlin. Vom 2. Mai bis zum 7. Juni 2008
In einer Zeit, in der makellose Paradekörper die Massenmedien bevölkern, wird jugendliche Schönheit zum schillernden Statussymbol einer coolen Popkultur. Markus Muntean und Adi Rosenblum spitzen diese Sehnsucht bis zur Erstarrung zu. Wer kennt sie nicht, die Schattenseiten der Teenagerjahre, diesen unfertigen Puppenstatus zwischen Kindheit und Erwachsensein, das Gefühl der Unsicherheit und Ziellosigkeit, sich selbst und seinem Körper entfremdet. Das Werk von Markus Muntean und Adi Rosenblum setzt diesen ewigen Dorian Grays ein klischeebeladenes Denkmal. Ihre Gemälde und Zeichnungen ebenso wie die Videos, Fotografien oder Installationen spiegeln die innere Trostlosigkeitund selbstverliebte Lethargie der jugendlichen Protagonisten in sinnentleerten melodramatischen Posen, die im Setting einer dem Theater entlehnten, eher klassischen Frontalkomposition den Betrachter direkt mit Ideologemen heutiger Spaßgesellschaft konfrontieren.
Die stillgelegten Momentaufnahmen emotionaler Entäußerung lösen Befremden aus, da hier schicksalhafte Wendungen beschworen werden, die zu keinem narrativen Fortgang führen. Die figurative Darstellung wirkt in der manierierten Selbstreflexivität fast skulptural. Jeder Versuch einer Einfühlung in die Psyche der Charaktere oder gar eine persönliche Identifikation scheitert bereits an der hermetischen Oberfläche. Stattdessen ziehen Muntean/Rosenblum alle Register kunsthistorischer Ikonografie von mittelalterlichen Kreuzigungsdarstellungen bis hin zu der im 18. und 19. Jahrhundert weit verbreiteten Tableau-Malerei. Als kompositorischer Höhepunkt in der Inszenierung morbider Dekadenz zeigt die Ausstellung ein großformatiges Bildzitat des legendären Floß der Medusa von Theodore Géricault.
Solche aufwendigen Staffagen und integrierten Sinnsprüche stehen in einer nicht nachvollziehbaren Beziehung zu der hysterischen Gespanntheit der Figurationen. Diese Tautologie wird zum eigentlichen Inhalt. Die Porträtmalerei ist nicht mehr Repräsentation, sondern macht die Gegenwart einer komplexen Gattungshistorie in der zeitgenössischen Bildsprache zum eigentlich zu verhandelnden Thema. Wenn der Künstler so zum Kunsthistoriker mutiert, wird der Betrachter zum Rückgriff auf sein ikonografisches Wissen gezwungen. Sehen und Urteilen reduzieren sich auf den Abruf geschichtlicher Kenntnisse. Das soeben fertiggestellte Video Run bringt im allegorischen Tableau vivant die gefährliche Konsequenz dieses Kunstgriffs zur Anschauung: Der gehetzte Läufer stürzt, den Strapazen des Marathons nicht gewachsen, immer wieder ermattet zu Boden, bis er schließlich die Besinnung verliert. Doch anders als im Film rettet den Betrachter keine engelsgleiche Gestalt vom Schlachtfeld des falschen Scheins und holt ihn heim ins Paradies einer höheren Erkenntnis. Muntean/Rosenblum werden die Geister, die sie riefen, nicht mehr los.
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