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Peter Roehr
Ohne Titel, 1966
Pappe auf Holz
Unsigniert; markiert: (verso) Nachlaßstempel
33,5 x 38,3 cm
Unikat
Courtesy of Mehdi Chouakri, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2007

29 GALERIEN – 29 ERÖFFNUNGEN

Jonathan Monk und Peter Roehr bei Mehdi Chouakri


Tim Ackermann
27. April 2007


Gallery Weekend Berlin 2007 - artnet Magazin Jonathan Monk & Peter Roehr bei Galerie Mehdi Chouakri, Invalidenstraße 117, 10115 Berlin. 27. April bis 26. Mai 2007

Nanu, und wo ist jetzt die Kunst? Wer zum Gallery Weekend einen Abstecher in die Galerie Mehdi Chouakri macht, steht erstmal irritiert vor einer nackten weißen Wand. In der Adresse geirrt? Keineswegs – die Kunst befindet sich im Rücken des Betrachters. Wer sich enttäuscht umdreht, wird von ihr überrumpelt. An der Wand neben der Tür hängt Jonathan Monks One in Two Hundred and Fifty in One (Figure in Doorway). Ein bombastisches Werk: 250 Blatt Fotopapier, jedes in einem weißen Rahmen, alle vom beauftragten Fotolabor mit demselben Motiv belichtet – dem Verpackungsdeckel der Schachtel, in dem die Blätter einst aufbewahrt wurden.

Die kleine Pirouette am Anfang, die Mehdi Chouakri für das Publikum eingeplant hat, passt ganz gut zu Monk – erfasst man seine Kunst doch am besten über gedankliche Umwege. Ihre Kraft, ihren Humor, ihre ganze kaltschnäuzige Großartigkeit entfalten die Arbeiten des 1969 geborenen Engländers üblicherweise erst durch kunsthistorische Referenzen. Natürlich ist auch sein aktuelles Werk, das in kleineren Dimensionen schon andernorts präsentiert wurde, eine Hommage – zum Beispiel an das serielle Arbeiten eines Andy Warhol. Doch während der Pop-Art-Star Massenprodukte in aufwändiger Handarbeit zur Kunst erhöhte, geht Monk heute wieder den bequemen Weg der technischen Reproduzierbarkeit. Fast scheint es, als würde er Warhol zurufen: „Junge, was hast du dich mit deinen Sieben eigentlich so abgemüht?!“ Die erste Einzelpräsentation des Engländers in einer Berliner Galerie entstand in Zusammenarbeit mit Monks Karlsruher Galeristen Meyer Riegger.

Im Dialog mit Monk zeigt Chouakri einen weiteren Künstler, den der Galerist sehr schätzt: Peter Roehr, geboren 1944 in Lauenburg, gestorben bereits 1968. Im Alter von 23 Jahren, an Krebs. Im hinteren Raum der Galerie hängen neun Arbeiten des Künstlers, der zu Hochzeiten der Pop-Art arbeitete, von ihr wohl auch beeinflusst wurde, in seinen Werken jedoch stets eine eigenständige Ästhetik beibehielt. Auffällig ist auch hier der serielle Charakter. In einer unbetitelten Arbeit von 1965 hat er ein Quadrat aus silbernen Glitzersternen geklebt, die aus einem Flaggenbild von Jasper Johns stammen könnten. Ein anderes Werk besteht dagegen aus 35 grauen Zetteln, die in Reihen nebeneinander angeordnet sind. Dabei handelt es sich um „Einlieferungsscheine“, die man Ende der 1960er Jahre in deutschen Postämtern aushändigte. In diesem Werk zeigt sich der Unterschied von Roehrs Ansatz zu einem Pop-Art-Künstler wie Warhol. Während sich letzterer für die mediale Repräsentation eines Gegenstands und damit für dessen Symbolgehalt interessierte, ist für Roehr auch die Beschaffenheit der Dinge, ihre materielle Existenz wichtig. Er ist sehr nah am Leben, wenn er Alltagsgegenstände in seine Werke integriert. Verbindungslinien zu den Nouveaux Réalistes tun sich auf. 

Die Wiederentdeckung des documenta-5-Teilnehmers, dessen erste Berliner Einzelausstellung überhaupt in Kooperation mit dem Nachlassverwalter Paul Maenz entstand, gehört wohl zu den spannendsten Momenten des Gallery Weekend. Gerade auch, weil sich Roehr aus heutiger Sicht als Chronist seiner Zeit erweist: So bestehen zwei seiner Werke aus  Computer-Lochkarten, in die er als Verzierung Quadrate hineinstanzte. Mit dieser Materialwahl gehörte Roehr 1963 praktisch zur Speerspitze der Digital Art. Auf heutige Medienkunstfreunde wirkt die Arbeit dagegen anrührend antiquiert – fast wie Großmutters Kreuzstich.

Peter Roehrs Foliensterne-auf-Papier-Arbeit „Ohne Titel“ von 1965 kostet 6.000,- Euro, die gestanzten Computer-Lochkarten kosten jeweils 1000,- Euro.

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