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Idris Khan
Mozart…Requiem (Venice 2005), 2006
Digitales C-Print
255 x 189 cm
Edition of 6
Courtesy of Galerie Thomas Schulte und Idris Khan
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Gallery Weekend Berlin 2007

29 GALERIEN – 29 ERÖFFNUNGEN

Idris Khan und Richard Deacon bei Thomas Schulte


Eric Aichinger
27. April 2007


Gallery Weekend Berlin 2007 - artnet Magazin Idris Khan bei Galerie Thomas Schulte, Charlottenstraße 24, 10117 Berlin. 24. März bis 5. Mai 2007

Die Galerie Thomas Schulte präsentiert mit sechs großformatigen C-Prints (Edition von 6 + 1 AP) und einem 16mm-Film (DVD, 6:30 Min., Edition von 6 + 1 AP) die erste umfangreichere Einzelausstellung des 1978 in Birmingham geborenen Idris Khan in Deutschland. Khan arbeitet mit dem künstlerischen Prinzip der Aneignung, der Appropriation. Seine Werke basieren auf der digitalen Überlagerung fotografischer Reproduktionen von Fotografien, Gemälden, Texten und Partituren anderer Künstler.

Der ursprüngliche Witz von Appropriation Art bestand in der strategischen Überlegung, durch das Kopieren von vorgefundenem künstlerischem Material auf abstrakte Eigenschaften der sich so angeeigneten Werke hinzuweisen, um dadurch strukturelle Merkmale der Inbesitznahme durch das Kunstsystem (Autorschaft, Original, Marktwert etc.) zu problematisieren. Nicht selten war mit diesem Strang konzeptueller Kunst der ideologische Anspruch verbunden, alle Bedingungen der Kunst einer kritischen Revision zu unterziehen.
 
Um Überlegungen solcher Natur geht es Khan nicht - genauso wenig um die technisch präzise hergestellte Kopie. Sein Interesse gilt der Fotografie als Medium. Wenn Khan beispielsweise Seite für Seite eines Buchs oder Notenzeile für Notenzeile einer Partitur fotografiert, vergrößert, digital übereinander legt und bearbeitet, entstehen eigenständige geschichtete Gebilde, die nur noch entfernt an das Original erinnern und wie Zeichnungen oder Gouachen anmuten.

Khans Fotografien versuchen nicht, „den entscheidenden Augenblick“ eines Ausschnitts von Wirklichkeit still zu stellen, sondern substantielle Spuren von Ideen visuell erfassbar zu machen. Als Vorlage dienen ihm dafür unter anderem das gesammelte Spätwerk von Caravaggio und Rembrandts Selbstbildnis, Freuds Aufsatz Das Unheimliche sowie Bachs Suiten für Violoncello, Mozarts Requiem, aber auch Wagners Parsifal. Konsequenterweise haben alle Arbeiten – der digitalen Vergrößerungstechnik sei Dank – auch monumentale Ausmaße.
 
Aber wenn der Betrachter von Sigmund Freuds „The Uncanny“ zwischen den Zeilen das vage Konterfei der Mona Lisa ausmacht und in der tiefschwarzen Falz in der Mitte das eigene Spiegelbild erkennt, gleichsam also in das Bild gezogen wird, mag das pointiert sein - unheimlich ist es sicher nicht. Das Bild bietet zuwenig ästhetische Projektionsfläche, um als Aufforderung dazu zu dienen, über Bedingungen von Kommunikation, Kunstrezeption oder das Wesen des Unheimlichen zu reflektieren. Für die Partituren-Bilder gilt ähnliches. Auch sie wirken über ihren Bildwitz: Indem die Notenzeilen verschwimmen, geraten sie in Bewegung und beginnen zu zittern und zu schwirren, als sollten sie zum Klingen gebracht werden. Das ist kurzweilig – aber nur, solange man sich vor dem Bild aufhält. 

Khans konzeptueller Ansatz, innerhalb eines strengen Bildaufbaus Bedeutungen bis zur Kenntlichkeit zu entstellen, indem ihre abstrakten bildkompositorischen Eigenschaften hervorgeholt werden, könnte spannender kaum sein. Die Bilder aber wirken vornehmlich durch ihre technische Präzision und ihre visuellen Effekte. Die Ebene des spielerischen Kommentars, der zwischen Hommage und ironischer Anspielung schwankt, verlassen sie indes nicht.

Die großformatigen C-Prints (Edition von 6 + 1 AP) kosten zwischen 18.500,- und 22.000,- Euro.

Galerie Thomas Schulte auf artnet


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