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Joe Bradley
Animal, 2007
Acryl auf Leinwand, 4-teilig
91,44 x 275,59 cm
Courtesy of Peres Projects, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2007

29 GALERIEN – 29 ERÖFFNUNGEN

Joe Bradley bei Peres Projects


Christoph Bannat
27. April 2007


Gallery Weekend Berlin 2007 - artnet Magazin Joe Bradley bei Peres Projects, Schlesische Straße 26, 10997 Berlin. 27. April bis 9. Juni 2007

Künstler dürfen sich freuen. Der Trend geht eindeutig zur serviceorientierten Zweitgalerie. Javier Peres von Peres Projects Los Angeles/Athen/Berlin zeigt in Berlin, wie es geht. Als die Galerie im Oktober 2005 eröffnete, war dies der erste amerikanische Brückenkopf in Europa. Nicht wie üblich in Berlin-Mitte, sondern in einer mentalen Sackgasse von Kreuzberg, am Ende der Schlesischen Straße, direkt am Landwehrkanal. Dabei spielt weniger die Kundenbindung mit möglichst hohem Authentizitäts-Faktor eine Rolle, sondern die Tatsache, seinen Künstlern ein angenehmes und bereicherndes Umfeld bieten zu können. Verkaufen könne man auch übers Netz, der Sammler wegen lebe man nicht in Berlin, so Margherita Belaief, Leiterin der Berliner Zweigstelle. Insgesamt vertritt Peres Projects mehrheitlich amerikanische und einige europäische Künstler, alle 1970er Jahrgang wie Javier Peres selbst.

Joe Bradley wohnt und arbeitet in New York. In Berlin wird zum Galerienwochenende seine erste Einzelausstellung in Europa zu sehen sein. Seine Arbeiten beruhen auf einem narrativen Minimalismus, in Anlehnung an Malewitschs späte Bauernabbildungen. Damit greift er tief in die Kunstgeschichtsbücher. Primitiv, hardedged und figurativ auf Minimalniveau. Aufgeladen mit wohl kalkuliertem Pathos erscheinen seine Figuren wie Icons in eigener Sache. Jeder Farbspritzer, jede Abweichung von der harten Linie wird als „erzählerisch“ gelesen. Joe Bradley kombiniert das Leinwand-Rahmen-Lege-Hängespiel mit einer Punkt-Punkt-Komma-Strich-Ikonografie und einem monochromen Post-Neo-Geo-Farbspiel, wie wir es besser von Peter Halley, Immi Knoebel oder Blinky Palermo kennen. Bradley wird aber auch gern mit Ad Reinhardt oder Elsworth Kelly in Zusammenhang gebracht wie zurzeit bei „The Triumph of Painting: Abstract America“ in der Londoner Saatchi Gallery.

Die komplexe Kulturleistung abstrakter Bilder zu erkennen ist eine Fähigkeit, die langsam verloren geht. Vielleicht, weil der Diskurs „nichts mehr bringt“, der Bereich der Farbfeldmalerei abgesteckt ist und die Bilder bereits ihren festen Platz in der allgemein unbewussten Bilderkammer unserer Zivilisation haben. Ästhetische Verfeinerung auf diesem Gebiet sowie Diskurse um das Verhältnis des Farbraums zur Fläche oder der Farb-Raum-Wirkung sind absolut out. Was aber nicht heißt, dass Minimal Art nicht mehr produziert und gekauft wird. Im Gegenteil – sie hat sich als festes Marktsegment etabliert. Verfeinerte Werke von Farbfeld-Raum-Arrangements entstehen heute allerdings eher durch Zufall, als dass sie – wie in den 1960er Jahren – einem allgemeinen Programm folgen.

Aber auch dieser Zufall will sich bei Joe Bradley nicht einstellen. Das „Wie“ ist dem „Was“ und seinem oberflächlichen Wiedererkennungswert als abstrakte Kunst gewichen. Die Ausstellung als Macht des Faktischen. Der Platz in der Welt als Marktsegment. Der Künstler als kleinstmögliche Produktionsstätte, Entwurf, Werbung und Herstellung in einer Person, auf dem Feld der Angebotskultur. Abstrakte Kunst und Minimal Art im Besonderen bräuchte heute – und vielleicht mehr noch als in den 1960ern – einen starken Diskurs, der von möglicher Verfeinerung in diesem abgesteckten Feld erzählt – den sieht man hier aber nicht.

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