Search the whole artnet database







Michaela Meise
Treppe, 2007
Holz, Kunstharzlack
250 x 136 x 19 cm
Foto: Nick Ash
Courtesy of Johann König, Berlin
   1  2  3  4  5  6  7  8  9  10  11  12  13  14  15  16  17  18  19  20  21  22  23  24  25  
26  27  28  29  

Gallery Weekend Berlin 2007

29 GALERIEN – 29 ERÖFFNUNGEN

Michaela Meise bei Johann König


Anne Schreiber
27. April 2007


Gallery Weekend Berlin 2007 - artnet Magazin Michaela Meise bei Johann König, Dessauer Straße 6-7, 10963 Berlin. 27. April bis 26. Mai 2007

Johann König zeigt neue Arbeiten der 1976 geborenen Künstlerin Michaela Meise. In Rauminstallationen, Zeichnungen, Malereien und Performances verhandelt sie Fragen zu Identität und Geschlechtlichkeit, Materialität und Objekthaftigkeit, Räumlichkeit und Perspektivität. Durch die ästhetischen Strategien von Wiederholung und Defunktionalisierung werden Objekte, Bilder und Materialien in neue Zusammenhänge gestellt und somit neue Bedeutungsebenen geöffnet. Betritt man den Galerieraum, fallen unmittelbar einige mit feingliedrigen goldenen Ketten an der Decke befestigte, schwarz bemalte und unterschiedlich große Bretter ins Auge. Durch den Titel Liegende 1-8 evoziert die an eine tänzerische Choreografie erinnernde Situation Leichtigkeit, Harmonie und Gemeinschaftlichkeit, während die goldenen Ketten und die Schwärze der Bretter ein untergründiges Gefühl des Gefangen-Seins und der Verschlossenheit hervorrufen.

Zur linken Hand sind an die Wand zwei Gruppen von je zwei Fotografien angebracht. Die Bilder auf der rechten Seite zeigen die Künstlerin im Porträt mit einem Kind, einmal ist es das des Galeristen, einmal das einer bekannten Kunstkritikerin. Als eine „gute Freundin des Galeristen und der Kritikerin“ inszeniert sich Meise in privaten Beziehungen im öffentlichen Raum der Galerie. Zur Linken ist auf zwei Fotografien Meises Assistentin in ihrem Atelier zu sehen. So ergibt sich zwischen den beiden Porträtgruppen eine Verschiebung: Während links das Atelier ohne die Figur der Künstlerin gezeigt wird, ist sie rechts zu sehen, hier jedoch nicht bei der Arbeit, sondern mit Kind im Arm. Während sich links eine Leerstelle auftut – wer ist das Künstlersubjekt? – wird diese rechts gefüllt. Dort zeigt sich die Künstlerin, jedoch ohne die Status zuweisende künstlerische Arbeit. Stattdessen hat sie das Kind im Arm, eine ironische Brechung herkömmlicher Vorstellungen weiblichen Schaffens.

In der linken Galerieecke steht ein Podest, darauf eine Marmorplatte und eine Reihe von an kleinen farbigen Brettern angebrachten seriell gefertigten Türklinken. Daneben liegen zwei kleinere hölzerne Vierecke, die Arbeiten Leftover und Aschenbecher. Während die Aufreihung der Türklinken auf der glänzenden Platte an die Präsentation von Waren in Boutiquen erinnert, muten die kleinen Vierecke verloren an. Anders als die Türklinken bieten die rätselhaften Objekte keine Verwendungsweise an und „stören“ den reibungslosen Ablauf von Angebot und Verkauf. Auch auf der symbolischen Ebene greifen die Türklinken in warenförmige Zusammenhänge ein. Ihr Öffnen und Schließen desselben Gegenstandes – die Arbeit trägt den Titel Tür auf, Tür zu – spielt auf den bloßen Austauschcharakter jeglichen Produkts im Moment des Verkaufs an.

Die Treppe an der rechten Wand dehnt diesen Moment des Austauschs. Sie besteht aus zehn türkis lackierten Sperrholzteilen, ihr Anfang und Ende stehen in keinem Funktionszusammenhang mit dem sie umgebenden Raum. Die Zweckentfremdung führt zur Stockung von fortschreitenden Bewegungen, zum Innehalten in linearen Zusammenhängen. Michaela Meises Objekte machen zunächst unsicher. Ihr minimalistischer und streng formaler Charakter greift auf die Sprache moderner Kunst zurück und damit auf das in ihr angelegte Widerstandspotential in Momenten des Verstehen wollens. Doch eröffnen sich unerwartet zahlreiche Bezüge – eine Ausstellung, in der es sich zu verweilen lohnt.

zurück zum Überblick...



artnet – Die Welt der Kunst online. ©2014 Artnet Worldwide Corporation. Alle Rechte vorbehalten. artnet® ist eine eingetragene Handelsmarke der Artnet Worldwide Corporation, New York, NY, USA.