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Stefan Hirsig
Gespenster, 2007
Acryl auf Leinwand
220 x 200 cm
Courtesy of Klosterfelde, Berlin
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Gallery Weekend Berlin 2007

29 GALERIEN – 29 ERÖFFNUNGEN

Stefan Hirsig und Christian Jankowski bei Klosterfelde


Tim Ackermann
27. April 2007


Gallery Weekend Berlin 2007 - artnet Magazin „The World is Bound with Secret Knots”, Stefan Hirsig bei Klosterfelde, Zimmerstraße 90/91, 10117 Berlin. 27. April bis 26. Mai 2007
Christian Jankowski bei Klosterfelde, Neue Nationalgalerie Berlin, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin. 27. bis 30. April 2007

Schwer zu sagen: Hasst Stefan Hirsig die Malerei oder liebt er sie? Auf der einen Seite „pierct“ er seine Werke mit Nadeln und nähert sich ihnen mit einer gewissen Aggressivität. Auf der anderen Seite scheint er den Untergrund förmlich zu verwöhnen, wenn er ihn immer wieder mit dicken Tupfern direkt aus der Farbtube schmückt. Hirsigs zweiteiliges, würfelförmiges Objekt, das zurzeit in der Galerie Klosterfelde zu sehen ist, zeigt die Spur einer solchen Begegnung: Auf einer Seite prangt ein kleiner, kreisrunder Farbklecks mit allerliebst emporragender Spitze. Giftgrün, makellos, wunderschön. Sich an solchen Details aufzuhalten, ist ein unbedingtes Muss – schließlich lädt Hirsig zum visuellen Flanieren ein.

Viele Bilder in der Ausstellung „The World is Bound with Secret Knots“ lassen sich wie Landschaften durchqueren. Der Blick wandert und stößt dabei auf überraschend abwechslungsreiche Ansichten. Das unbetitelte Großformat direkt am Eingang wirkt mit seinen leeren weißen Flächen und den dominanten schwarzen Passagen auf den ersten Blick fast grafisch. Wer näher herantritt, registriert jedoch schnell drei große Flecken in freundlichen Frühlingsfarben: ein zartes Grün, ein gedämpftes Gelb, ein dezentes Flieder. Derart in das Bild hineingelockt, geht das Auge auf Entdeckungsreise und erkennt dynamische Linien in knalligen Tönen wie Grün, Rot und Gold, Silhouetten von märchenhaften Zwiebeltürmen oder knopfförmige Farbdrops. Mehrfach stößt man wieder auf Kreise von Stecknadeln, die an rätselhafte Insekten oder an die okkulten Praktiken eines Voodoo-Priesters erinnern.

Hirsigs Kunst hat sich in den letzten Jahren spürbar weiterentwickelt. Malte der Berliner Künstler um 2000 noch pop-artig Frauenbeine und Autos im Stile eines Tom Wesselmann, zeigt er sich nun, in seiner sechsten Einzelausstellung bei Klosterfelde, gereifter, subtiler und ambivalenter. Er malt abstrakt, ohne sich jedoch figurativen Andeutungen zu verschließen. Im Gegenteil, er befördert sie gelegentlich durch deskriptive Titel wie bei seinem großformatigen Gemälde Mönch. Richtig narrativ wird Hirsig dann in seinen Collagen. Etwa, wenn er übermalte Schallplatten, Graffiti-Tags und Schwarz-Weiß-Kopien des Empire State Buildings kombiniert – als Liebeserklärung an New York.

Ein beredtes Zeugnis über die Mysterien unserer Zeit geben auch drei Skulpturen von Christian Jankowski ab, die Klosterfelde für das Galeriewochenende vor der Neuen Nationalgalerie aufbauen wird. Der Künstler hat seine Vorbilder in Barcelona bei den „Lebenden Skulpturen“ gefunden, jenen Straßenkünstlern, die zur Unterhaltung der Touristen stundenlang reglos in der Sonne stehen und historische Personen verkörpern. Jankowski hat die Künstler als richtige Bronzeskulpturen nachgegossen. In seiner Figurengruppe Living Sculptures sind nun Che Guevara, Dalís „anthropomorphe Schrankfrau“ sowie ein römischer Legionär versammelt. Ein ironisches Spiel mit unseren Konstruktionen von Geschichte – zumal es sich der Künstler nicht nehmen ließ, kleine Fehler des Originals mit abzubilden. So hat der „heroische“ Legionär bedenkliches Übergewicht, trägt Strandlatschen und sein Schwert hat er dem Häuptling der Orks aus dem Filmepos Herr der Ringe geklaut.

Stefan Hirsigs zweiteiliges, würfelförmiges Objekt kostet 11.000,- Euro, das Großformat ohne Titel 18.000,- Euro, das ebenfalls großformatige Gemälde „Mönch“ 27.000,- Euro, die Collage 7.500,- Euro.
Christian Jankowskis „Living Sculptures“ in der Edition von 3 x 3 Figuren kosten als Einzelfigur 130.000,- US-Dollar, alle drei zusammen 300.000,- US-Dollar.

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