Save The Weekend, 2006
Berliner Premieren
Frank Frangenberg
28. April 2006
Mathew Weir, Martin Creed, Johnen Galerie, Schillingstraße 31, 10179 Berlin. 29. April bis 27. Mai.
Handwerkliche Brillanz demonstriert Mathew Weir bei Johnen. Der 1977 in London geborene Absolvent des Royal College of Art hat lediglich sieben, äußerst kleinformatige Ölgemälde bei Johnen hängen. 25 bis 40 cm hoch, 20 cm breit, auf diesem kleinen Grund entfaltet sich ein stupendes Können. Einziger Kritikpunkt wäre, dass seine Kunst nicht frei davon ist, sich selbstverliebt zu bespiegeln. Das Motiv aller sieben Arbeiten (bis auf ein unverkäufliches Stück kostet jedes jeweils 9.300,- Euro) stellen Porzellanfiguren, lustige Märtyrer, Mohren in floralem Rahmen und ein schwarzer Pirat mit Holzbein fiedelt unter einem dunkelblauen Nachthimmel. Mathew Weir schafft es tatsächlich, die spiegelnden Effekte des Porzellans zu imitieren. So zieht er den Betrachter nahe an seine kleinen Bilder heran und in sie hinein, bis es zu spät ist und dieser entdeckt, dass hinter der dekorativen Gefälligkeit heiterer Genreszenen ein vieldeutiger Abgrund lauert. Ein Quentin Tarantino der Ölmalerei.
Während im ebenerdig gelegenen Ausstellungsraum bitterböse Brillanz waltet, steckt sich jemand im Keller der Galerie den Finger in den Hals und erbricht sich lautstark – armer Marcus. Marcus being sick, Titel der Arbeit, ist eine Videoinstallation von Martin Creed, dem Turner-Prize Sieger von 2001. Ein kleiner Loop, die laufende Nummer 547 im Oeuvre des englischen Künstlers, eine kleine Geste, eine klare Handlung mit Anfang und Ende und jeder darf selbst entscheiden, ob er Marcus eher bedauern oder lieber fliehen möchte.
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