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Hans Hemmert
(Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (14,6). Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben (15,1)), 2005
Fiberglas, Industrielack
80 cm x 90 cm x 45 cm
EUR 18.000,-
Courtesy of Carlier | Gebauer
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Save The Weekend, 2006

Berliner Premieren
Frank Frangenberg

28. April 2006

Jean-Luc Moulène, Hans Hemmert, Christian Schumann, carlier | gebauer, Holzmarktstraße 15-18, 10179 Berlin. 29. April bis 3. Juni.

Die Kunst von Jean-Luc Moulène entwickelt ihre eigene widerständige Logik. Bekannt wurde der in Reims geborene französische Künstler mit seinen Streitobjekten, die einem explizit politischen Kontext entstammten. In seinen bei carlier | gebauer ausgestellten Arbeiten - Zeichnungen, Fotografien, Objekte – steht der politische Aspekt seiner Kunst nicht im Vordergrund, vorhanden ist er dennoch. Das Unendliche komme zurück. Das sei die Idee der Ausstellung, erklärt Moulène. Er entdeckt es überall, eine kleine Perversion der Perspektive reicht ihm aus - ein Pädagoge, der uns das sehen lehren könnte: In seinen Zeichnungen mit den Titeln Voie Lactée 1 – 4 beschwört er mit Punkten und Strichen imaginäre Sternformationen; in seinem aufgesockelten Objekt Mondex wird aus Plastikschüsseln ein Astrolabium gebildet; den Mont Saint-Michel, Symbol klösterlichen Wissens um die Unendlichkeit und täglicher Spielball der Gezeiten, hat er am selben Strand, unter demselben Licht aus Sand nachgeformt. Der kleine Ausstellungsraum ist dicht gefüllt mit seiner Kunst, ein Zeichen der Generosität, wie der Künstler weiß, womit wir wieder beim Politischen wären, wie er dazu anmerkt. Die Welt könnte gut noch mehr Moulène vertragen.

Im Bogen 52 zeigt der Berliner Hans Hemmert neue Skulpturen aus Fiberglas, alle mit knatschgelbem Industrielack überzogen – eine ebenso durchgreifende wie überzeugende Weise ihre Gegenständlichkeit zu abstrahieren. Vier kleinere Skulpturen auf Sockeln stehen um ein Wegkreuz mit Bank herum – „die Colani-Version eines fränkischen Wegkreuzes“, gibt der Künstler dem Kritiker die Worte vor. Der Evangelist Johannes, eine Replik der Tilman Riemenschneider Skulptur vom Münnerstädter Altar, hockt auf einem Ghettoblaster. Religiöse Symbole werden mit Popmotiven montiert und durch gelben Lack verbunden: Ist der HipHopper nicht ein moderner Evangelist, der die gute Nachricht durch die Boombox sendet, meint Hans Hemmert.

Dem 1970 in Rhode Island geborenen, heute in Los Angeles lebenden Christian Schumann ist die dritte Ausstellung von carlier | gebauer gewidmet. Seine neuen Gemälde konfrontieren den Betrachter mit ihrer merkwürdig undynamischen Erscheinung. Tropfen oder Sterne bedecken gleichmäßig die Leinwand, es wird kein Versuch gemacht, in ihrem Verhältnis zueinander eine Spannung aufzubauen. Und doch ist jeder Stern und jeder Tropfen eigenhändig gemalt. Schumann folgt, nach seinen erfolgreichen Comic-Collagen, nun einer anderen Intelligenz. Da tickt jemand auf eine feine, nicht zu durchschauende Weise.

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