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Thomas Demand
Detail, 2006
C-Print / Diasec  
© Thomas Demand, VG Bild Kunst, Bonn
Courtesy of Esther Schipper, Berlin
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Save The Weekend, 2006

Berliner Premieren
Anna Altman

28. April 2006

Thomas Demand, „Klause“, Esther Schipper, Linienstr. 85, 10119 Berlin.
1. April bis 6. Mai 2006

In Thomas Demands neuer Schau „Klause“ zeigen fünf neue Fotografien im Großformat die ephemeren Modelle, die der Künstler mit Bezug auf die Berichterstattung über ein kürzlich in einer deutschen Kleinstadt geschehenes Verbrechen geschaffen hat. Demands Reproduktion von Medienbildern in lebensgroßen Modellen, die er erst fotografiert und dann wieder zerstört, agiert wie auch in vergangenen Ausstellungen lediglich auf konzeptioneller Ebene. Das Interesse des Künstlers richtet sich dabei auf die Mechanismen, mit Hilfe derer die Medien Bilder verbreiten, die sich als Abfolgen in unseren Köpfen reproduzieren und von denen wir nicht mehr loskommen. Ebenso hinterfragt Demand unseren kollektiven Willen, an die oft verquere Wahrheit solcher Abbildungen zu glauben.

Die Referenzen, die Demand dieses Mal gewählt hat, sind obskur genug, um der emotionalen Reaktion des Betrachters einen leichten Dämpfer zu verpassen. Das Ereignis, auf das er sich bezieht, beansprucht nur einen sehr kleinen Raum im kollektiven Gedächtnis, vermutlich existiert es überhaupt nur in der Erinnerung einiger weniger Menschen in Deutschland. Ansichten einer zugenagelten Kneipentür wühlen nicht gerade die Gefühle auf. Mit seinen neuesten Fotografien verleiht Demand den vielschichtigen konzeptionellen und intellektuellen Aspekten seines Werkes zwar einen weiteren hauchdünn-verführerischen Anstrich, doch rein vom Ästhetischen her wirken seine Fotografien eher steif.

Obwohl die Gesamtwirkung der Fotoserie nicht wirklich zu beeindrucken vermag, bleibt doch die Suche nach Andeutungen und bedeutungsvollen Details in Demands kleinteiligen Arbeiten ein wundersames Spiel. So ist das viel zu große Loch im papiernen Erdboden, aus dem eine verwelkte Pflanze hervorkommt, eines der befreienden Momente, in welchen sich die Tricks des Magiers Demand offenbaren. Die Pappkartons, die an der gelben Tür des Vorratsraumes lehnen, sind – obwohl nur Kopien der Originale – doch aus dem gleichen Material wie die „echten“ und schubsen das ganze Konzept von medialer Reproduktion und ihren Bedingungen in eine neue Schleife. Die bunten Luftschlangen, die in der Kneipenküche hängen und an eine Party denken lassen, kontrastieren scharf mit der Realität des Verbrechensszenarios. Demand mag sich hier nicht gerade verausgabt haben, doch seine akribischen Arbeiten provozieren immer wieder auf Neue die Reflexion über das Darstellen von Bedeutung – und mit welchen Tricks sie evoziert werden kann.

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