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4. berlin biennale

Private Wohnung, Auguststraße 84, Vorderhaus 3. OG

Belinda Grace Gardner

23. März 2006 

Ein bisschen Atem braucht man, um ins zweite Obergeschoss der Adresse Auguststraße 84 zu klettern. In der dort befindlichen, zur Galerie entleerten Wohnung hat linkerhand der dänische, in Berlin lebende Künstler Sergej Jensen einen Waiting Room eingerichtet: Gleichförmige Stühle mit Stoffsitzen und -rückenlehnen stehen an den Wänden, wobei die Armlehnen teils rudimentär mit rosa-brauner Farbe bearbeitet wurden, als wären sie Teststrecken für Möbelbeizversuche. Leicht verzerrte Strickbilder zieren die Wände, dazu ein monochrom gemaltes graues Großformat mit Glitzerpartikeln. Ein Leopard blickt aus einem weiteren Gemälde. Die Decke ist mit einem Patchwork aus Stoffresten verhängt. Auf einem Raumteiler steht ein Monitor, auf dem man durch Gitter hindurch ein Stück Straße, das Laub eines Baums, Passanten auf dem Gehweg sehen kann. Jensens Warteraum wirkt wie eine Ansammlung subtil gestörter Referenzen auf Traditionslinien der Moderne, durchbrochen vom eingeschränkten Blick auf eine Wirklichkeit, die im virtuellen Medium des Films festgehalten niemals konkret durchschritten werden kann.

Kryptisches Pendant zu Jensens Installation: Das Bilderensemble der in San Francisco lebenden Künstlerin Trisha Donnelly. Man sieht zunächst die kleine Zeichnung einer von hinten dargestellten Figur im Kurzmantel, auf dessen Rücken ein „R“ zu entziffern ist. Hände und Füße fehlen. An Liniengeflechten in der Anmutung von Frottagen, die stark vergrößerte Kulistriche duplizieren, gelangt man in einen kleineren Raum, wo die Gegenfigur zur Eingangszeichnung in Form einer verschatteten Gestalt zu sehen ist: Hände und Kopf liegen im Dunkeln; nur eine helle Kutte und zwei säbelähnliche Gegenstände, die aus den Ärmeln lugen, sind erkennbar. Eine Zeichnung von einem an einem Seil verknoteten Haltegriff rundet die undurchsichtige Folge ab. Donnellys assoziative, hintergründige Bild-Narrative erschließen sich generell nicht so ohne weiteres. In ihrer Biennale-Installation gibt sie erneut viele Rätsel auf. Dennoch: Eine gewisse inhaltliche Verflechtung lässt sich knüpfen, wenn sie auch noch so ephemer ist. Die ansonsten recht karg anmutenden Räume werden so zum Schauplatz der individuellen Imagination der Passanten. Insgesamt eine eher stille, zur Meditation anregende Biennale-Station.



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