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4. berlin biennale

St. Johannes-Evangelist-Kirche, Auguststraße 90

Henrike Schulte

23. März 2006 

Der große schwarze Kubus in der Mitte des Raumes darf nicht fotografiert werden. Warum nicht? Fürchtet man den Zorn der Muslime, die in Andro Wekuas Installation Boy oh Boy eine Anspielung auf ihre zentrale Kult- und Pilgerstätte, die Kaaba in Mekka, sehen könnten? Von „Menschen und missgedeuteten Metaphern“ wäre auch kein schöner Zusatztitel für die 4. berlin biennale. Während die große Schwesterveranstaltung in Venedig dem deutschen Künstler Gregor Schneider aus eben diesen Gründen die Präsentation seines schwarzen Cube in der Mitte des Markusplatzes im Sommer des vergangenen Jahres verwehrte, stellen die Berliner die dunkle Spankiste von Wekua auch noch mitten in einer ehemaligen Kirche aus und man mag nicht glauben, dass das Zufall ist.

Das neoromanische Gebäude dient allerdings bereits seit 1978 nicht mehr liturgischen Zwecken, sondern wird vor allem für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Wie in einem Mausoleum ist im hellen Inneren des Kubus ein von lilafarbenem Blut überströmter Frauenkopf mit langem Echthaar und abgehackten Händen aufgebahrt. Die Frau findet sich auch auf einer Collage aus Foto und Zeichnung an der Wand wieder. Diesmal sind ihr die Augen ausgestochen worden und ein Knabe schaut den Betrachter emotionslos an. Beim Hinausgehen aus dem Grab der grausam Zugerichteten droht eine weitere blutige Puppe aus der Höhe.

In seinem Werk thematisiert Wekua, der in Georgien aufwuchs, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Bürgerkrieg seinen Vater verlor und mit seiner Mutter und dem Bruder flüchtete, meist die eigene bewegte Lebensgeschichte. Das wird bisweilen zur alptraumhaften Angelegenheit. Ob man genau wissen möchte, welche Erinnerungen der Künstler mit der düsteren Ästhetik verarbeitet, sei dahingestellt.

Kaum leichter zu verdauen ist das ebenfalls im Kirchenraum ausgestellte Werk Mandi III, 2003, des Belgiers Kris Martin. Auch bei ihm geht es ins Nirgendwo. Die an der Innenseite des Eingangsportals angebrachte Anzeigetafel rattert zwar unaufhörlich vor sich hin und erzeugt dabei schönste Bahnhofsatmosphäre im hallenden Raum der Kirche, allein – sie zeigt nichts an und bleibt schwarz wie der Tod. Auch um den solle es während der Biennale gehen, hatte Massimiliano Gioni, einer der drei Kuratoren, schon während der Pressekonferenz angekündigt.



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