„Mama, weitaaa!“, kräht das unzufriedene Kleinkind sehr gebieterisch und der Mutter, die sich doch eben noch der Diesel Wall in der Oranienburger Straße 65 widmen wollte, bleibt nichts anderes übrig, als sich dem Befehl zu beugen. Dabei geht es auf der von Steven Shearer für die 4. berlin biennale bearbeiteten, großflächigen Brandmauer doch um die Zukunft des energischen Görs. Denn wenn es so weiter macht, wird es seinen Eltern im Laufe der Jahre vermutlich immer mehr Freude bereiten und am Ende gar einer von vielen pubertären Rockfans sein. Genau deren Universum erforscht Shearer in seinen Arbeiten.
Für seine „Guitar“- und „Metal Archive“-Serien trug der kanadische Künstler 2002 ein Archiv von über 12.000 Bildern mit Rock-Motiven zusammen, die er im Internet unter anderem von Fanclub-Websites herunter lud. Bei dieser Sisyphos- Arbeit kam Shearer zugute, dass er selbst leidenschaftlicher Musikfan ist. Das brachte ihn 2005 dann auch auf die Idee, aus den Texten von Death-Metal- Klassikern Poems zu arrangieren, von denen er nun gleich zwei an besagte Riesenmauer gemalt hat.
Zwar wirken die enormen weißen Lettern auf schwarzem Grund tatsächlich wie der beabsichtigte „Vorspann zum Ende der Welt“ aber Zeilen wie „VOICELESS ALTARS OF FLESH // NAILED IN UNHOLY MISERY // CENTURIES IN DECOMPOSITION // SPAWN OF AZAGTOTH“ erinnern leider ein bisschen zu sehr an Kühlschrankpoesie für Lebensmüde. Mit der Wand direkt gegenüber, ob gewollt oder nicht, liefern sich die neu zusammengesetzten Strophen der bösen Barden übrigens einen musikalischen „Battle“. An die Brandmauer des ehemaligen alternativen Kunsthauses Tacheles hat ein unbekannter Hip-Hop Künstler die Worte „2005 Killer Clowns“ gesprüht.









