„Less is more“: Das berühmte Diktum Mies van der Rohes könnte auch Albrecht Schäfers Arbeitsmotto sein, auch wenn er an die modernistische Formökonomie nicht einfach anknüpft, sondern sie auf raffinierte Weise dekonstruiert. Die im Alltagsdesign zum Allgemeingut gewordenen Formentwicklungen der Moderne bilden den Ausgangspunkt für seine inszenierenden Eingriffe, die sich oft über ganze Räume ausdehnen. Statt neu zu entwerfen, stellt er durch gezieltes Wegnehmen, Weglassen und Verändern des bereits Vorhandenen neue Aufmerksamkeit her. So hat er eine komplette Ausgabe der englischen Boulevardzeitung „The Sun“ Seite für Seite auf Leinwände in der Größe einer Zeitungsseite übertragen und dabei immer mehr von der Textinformation weggelassen, um ein Rastersystem offenzulegen, das an die geometrische Struktur konstruktivistischer Bilder erinnert: Hinter jeder Meldung ein Mondrian. In einem anderen Fall spannte er 310 Dachlatten, die ein wenig die Raumhöhe übertrafen, so zwischen Decke und Boden, dass die gebogenen rohen Holzleisten ein wellenförmiges Muster wie bei einer Sinuskurve ergaben. So wird Architektur zum Bild und zur begehbaren Skulptur.
Raffinierte Effekte erzeugen auch die Spiral Blinds (2008), bei denen einander jeweils zwei oder drei Aluminium-Jalousien verdreht durchdringen. Mit einfachem, vorgefundenem und industriell gefertigtem Ausgangsmaterial holt Schäfer etwas von der poetischen Intensität zurück, die Naum Gabos Licht-Raum-Skulpturen oder die Endlose Säule von Constantin Brancusi ihren standardisierten Wiedergängern in Design und Innenarchitektur immer noch voraushaben.
Albrecht Schäfer wurde 1967 in Stuttgart geboren und lebt in Berlin. In München, London und Braunschweig ausgebildet, zieht Schäfer die Konsequenz aus dem Überangebot der Kunstgeschichte und schärft den Blick für das, was es schon gibt.