Ein Haufen Glasscherben, der mit einem Besen zusammengekehrt wird, Füße und Beine der dabei Anwesenden, gefilmt aus der Bodenperspektive – mehr ist nicht zu sehen in Iñigo Manglano-Ovalles Video Always After (The Glass House). Was genau passiert ist, wo genau man sich befindet, das bleibt dem Betrachter verschlossen. Sicher ist nur – der Titel suggeriert es –, dass man zu spät gekommen ist: Statt einer Aktion sieht man deren Resultat, statt eines intakten Gebäudes dessen zersplitterte Reste. Der Weg zurück von der Spur der Zerstörung zu ihrem vermeintlichen Ursprung bleibt verschlossen. Es lassen sich nur noch Vermutungen anstellen.

Always After (The Glass House) ist das fünfte Video von Manglano-Ovalle, das sich mit der Achitektur Mies van der Rohes auseinandersetzt. Es wurde in dessen Crown Hall im Chicagoer Illinois Institute of Technology (IIT) während der feierlichen Zeremonie zum Beginn der Renovierungsarbeiten gefilmt. Manglano-Ovalle spielt hier – sowohl in der Thematik wie auch in der Undurchsichtigkeit der Struktur des Films selbst – mit den Überresten der Moderne, den Ruinen der Utopien des 20. Jahrhunderts.

Vom einstigen Ideal vollständiger Transparenz, wie sie in der Stahl- und Glasarchitektur van der Rohes zum Ausdruck kommt, bleibt wenig mehr als ein Scherbenhaufen. Einer auf logischer Argumentation basierenden Erkenntnisformation mit Anspruch auf vollständiges Wissen stellt der Künstler einen Möglichkeitsraum des diffusen Ahnens entgegen: Er beschreibt einen Zustand des konstanten Zu-Spät-Kommens und findet so ein Bild für eine Gegenwart, die ihre Zukunft nur im fragmentarischen Blick in die Vergangenheit finden kann, die ihrerseits von Zukunftsvisionen überfrachtet ist.

Der 1961 in Madrid geborene Iñigo Manglano-Ovalle lebt in Chicago, wo er am Art Institute ausgebildet wurde. Neben einer weitläufigen Ausstellungstätigkeit wurde er 2005 auch mit dem New Yorker Award for Excellence in Design ausgezeichnet.