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Kai 10 - The Fate of Irony
Die Ironie entspringt der menschlichen Fähigkeit, sich geistig vom Rausch des Erlebens zu distanzieren. Diese Fähigkeit erlaubt es uns, die Erfahrungswelt mit Abstand zu betrachten, sie zum Gegenstand der Kontemplation zu machen.
Glenn S. Holland: Divine Irony, 2000
Ironie zerstört jegliche Banalität, jegliches eindimensionale Weltmodell. Darum glaube ich, dass Ironie eine Waffe gegen Klischees ist.
Vitaly Komar: Drei Tage frei, Gespräch vom 15. August 2009, artnet.de
Die postmoderne Haltung erscheint mir wie die eines Mannes, der eine kluge und sehr belesene Frau liebt und daher nicht mehr sagen kann: ‚Ich liebe dich inniglich’, weil er weiß, dass sie weiß (und dass sie weiß, dass er weiß), dass genau diese Worte schon, sagen wir, von Liala geschrieben worden sind. Es gibt jedoch eine Lösung. Er kann ihr sagen: ‚Wie Liala jetzt sagen würde: Ich liebe dich inniglich.
Umberto Eco, Postmodernismus, Ironie und Vergnügen, 1986
Die Ironie ist nur als pädagogisches Mittel am Platze, von seiten eines Lehrers im Verkehr mit Schülern irgendwelcher Art: ihr Zweck ist Demütigung, Beschämung, aber von jener heilsamen Art, welche gute Vorsätze erwachen lässt und dem, welcher uns so behandelte, Verehrung, Dankbarkeit als einem Arzte entgegenbringen heißt.
Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches, I, Nr. 372, 1878
Das Gegenteil von Ironie ist gesunder Menschenverstand. Denn er ist die Parole derer, die alles Wichtige unbefangen in Begriffen des abschließenden Vokabulars beschreiben, das sie und ihre Umgebung gewohnt sind.
Richard Rorty, Kontingenz, Ironie und Solidarität. Frankfurt, M.: Suhrkamp 1989, S. 128.
Die Gewöhnung an Ironie, ebenso wie die an Sarkasmus verdirbt übrigens den Charakter, sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Überlegenheit: man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat, außer dem Beißen.
Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches, I, Nr. 372, 1878

The Fate of Irony (7): Ironie macht den Feminismus besser

Ändert die Schulbücher!

Annika Karpowski
11. September 2010
In der Kunst sind radikale politische Gesten vergänglicher als der Klatsch von gestern. Schockstrategien überleben nur selten die Zeiten, wenn sie nicht formal so revolutionär sind wie die Aussage, die sie verbreiten. Doch die feministische Kunst beweist, dass politische Interventionen aktuell bleiben können. Annika Karpowski erkennt in der Ironie eine Geheimwaffe politischer Künstlerinnen.

The Fate of Irony (6): Zur Notwendigkeit postmoderner Ironie

Sokratisches Chamäleon

Ludwig Seyfarth
3. Juli 2010
Ironiker tänzeln von einem Bein aufs andere. Ehe man sich versieht, haben sie ihre Meinung gewechselt und ihren Standpunkt den Umständen angepasst. Besonders viel ironische Kunst gibt es deshalb in wechselhaften Zeiten. Im Chaos ist der ironische Künstler das am besten angepasste Chamäleon. Ludwig Seyfarth blickt zurück in die Kunstgeschichte und sieht in der Ironie eine Chance für die Gegenwartskunst.

The Fate of Irony (5): Die deutsche Ironie wird globalisiert

Der Humor lernt Esperanto (Teil 1)

Gregory Williams
5. Juni 2010
In der Postmoderne wurde die Ironie zur Ideologie. Dann fiel die Mauer, und die politische Realität war ironischer als die Kunst. Die Political Correctness machte Schluss mit lustig, und die Globalisierung schickte den Witz auf Reisen. Gregory Williams über das Schicksal der Ironie in der deutschen Kunst seit 1980 und die Frage, ob Humor Lokalbezug braucht.

The Fate of Irony (4): Ironie als Therapie von der Ideologie

Staatskunst in Anführungszeichen

Astrid Mania
22. Mai 2010
Der Witz, befand Sigmund Freud, sei eine Art unbewusstes Überdruckventil. In ihm äußere sich, was die Gesellschaft verdrängt. Vielleicht gedeiht er deshalb in repressiven Systemen so gut. Die Sowjetunion jedenfalls brachte großartige Humoristen hervor. Zum Beispiel die Vertreter der Soz Art. Astrid Mania beschreibt eine Kunst, die vordergründig die Staatsästhetik wörtlich nahm und umso raffinierter einer ironischen Mehrfachcodierung unterzog.
artnet Editorial
Fluchthilfe gegen den Sachzwang
Fluchthilfe gegen den Sachzwang
Ironie scheint eine Art Gesellschaftstanz zu sein. Hochgradig rhetorisch, aber ohne Bodenhaftung. Das gemeinsame Dossier von artnet und Kai 10 will es genauer wissen und geht der Bedeutung der Ironie für die Gegenwartskunst auf den Grund. Ist sie noch immer eine Waffe gegen Konvention und Konformität?
Kai 10 | Raum für Kunst
artnet Werke
Guillaume Bijl
Guillaume Bijl
Guillaume Bijls Ironie gilt den eingeübten Hierarchien des Kunstbetriebs. Er provoziert das Gelächter über die eigene Rolle.
Ming Wong
Ming Wong
Mit seinen Re-Enactments großer Kinofilme wird Ming Wong zum ironischen Störfaktor zwischen Handlung und Betrachter. Die Spiegelung des Films wird zur Spiegelung des Publikums.
Julia Oschatz
Julia Oschatz
Julia Oschatz ist mehr Ironie-Analytikerin als Ironikerin. Sie observiert die Grenzen der Ironie und simuliert die Ausbruchsversuche aus der rhetorischen Enge.
Peter Jap Lim
Peter Jap Lim
Peter Jap Lim liebt das Absurde. Hinter einer ironischen Maske verbergen sich Fragen, die niemand beantworten kann, er uns dennoch mit optimistischer Komik stellt.
JULIA KISSINA
JULIA KISSINA
Julia Kissina beschwört die Geister toter Künstler und agiert als deren Medium. Damit richtet sie sich gegen ein allzu rationales Bild der Kunst.
artnet Texte
Das Erbe des Lachens
Das Erbe des Lachens
Ob es deutschen Humor gibt, ist unter Fachleuten umstritten. Martin Kippenberger aber half den Deutschen, ihren Sinn für Ironie zu radikalisieren.
Deadpan 2.0
Deadpan 2.0
Ironie ist schon deshalb ein unerschöpfliches Thema, weil kein Ironiker je dem anderen zustimmen würde. Pünktlich zur Ironie-Ausstellung im Düseldorfer „Kai 10“ fragen wir nach den Chancen und Nebenwirkungen der Ironie in der zeitgenössischen Kunst.
Die Jagd nach dem eigenen Schatten
Die Jagd nach dem eigenen Schatten
Ironiker sind Gaukler und führen die Welt aufs Glatteis. Der Ironiker ist immer an zwei Orten zugleich. So wird er zum Prototyp des Bewohners unserer Medienwelt.
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