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Seltsame Blüten

Ludwig Seyfarth
10. Mai 2007
Noch ist es in Kassel relativ ruhig, aber auch um die documenta herum ist einiges in Planung. Unabhängig davon, ob die klimatischen Voraussetzungen für die Präsentation der Kunstwerke in den Aue-Pavillons gelöst sein werden: Die documenta 12 wird zum „Klimaflüchtlingslager“ erklärt. Der Aktionskünstler Hermann Josef Hack möchte den Besuchern die drastischen Folgen des Klimawandels vor Augen führen. Diese Aktion, die kein offizieller Teil der documenta 12 ist, setzt allerdings Aktivitäten fort, die schon vor 15 Jahren im Rahmenprogramm der documenta IX begannen. Damals war Hack an dem interaktiven Fernsehprojekt „Piazza Virtuale“ von Van Gogh TV beteiligt und wies mit einem „Virtuellen Dach“ auf ökologische Gefahren hin. Im Februar 2007 erklärte er die Stadt Bonn, im April das Museum Ludwig in Köln zum „Klimaflüchtlingslager“.

Eine ökologische Verschmutzung besonderer Art erlebt seit Dienstag die Website der documenta 12. Es geschieht immer wieder, dass man statt auf die Homepage der Ausstellung direkt auf YouTube zu einem japanischen SM-Video geschaltet wird. In seinem Blog auf artworldsalon.com meldete Marc Spiegler, es handele sich um den Trailer für Lovely Andrea, den documenta-Beitrag der Videokünstlerin und Filmemacherin Hito Steyerl. Aber ist es so von der documenta-Leitung gewollt? Oder eine bewusst kalkulierte Provokation als Medienstrategie? Das von uns erfragte offizielle Statement der documenta blieb bisher aus. Doch wir bleiben am Ball…

Die Informationspolitik der documenta treibt auch andere seltsame Blüten. So erhielten alle Galerien, die Künstlerinnen und Künstler der documenta 12 vertreten, eine Rundmail mit der Bitte, Anfragen von Journalisten an das Pressebüro der documenta weiterzuleiten. Wer dort nachfragt, erhält jedoch nach wie vor lediglich Informationen zu den wenigen „offiziellen“ Teilnehmern, etwa zum Starkoch Ferran Adrià. In der heutigen Ausgabe der Tageszeitung „Welt“ ist ein Interview mit ihm zu lesen – allerdings verrät er immer noch nicht, was er auf der documenta vorhat. Dafür berichtet er von einer künstlerischen Neuerung in seiner Küche, der Einführung der Liofilisation. Dabei handele es sich, so Adrià, um „ein Verfahren der Vakuum-Trocknung. Die gibt es zwar im Bereich der Nahrungsmittelindustrie schon lange, aber in der Hohen Küche wurde sie bisher nicht angewendet.“ Oder ließen sich durch Vakuum-Trocknung gar konservatorische Probleme bei der Präsentation von Kunst in Gewächshäusern lösen?

Also noch einmal: Die offizielle Künstlerliste gibt es erst am 13. Juni. Deshalb hat es auch keinen Sinn, betreffs der in unserer inoffiziellen Liste (für die wir weiterhin um Ergänzung bitten!) angeführten Namen direkt bei der documenta Anfragen zu stellen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pressebüros haben genug zu tun und wir hoffen in ihrem Sinne, dass nicht allzu viele Galeristen der Aufforderung der Leitung folgen und sie mit unnötigem bürokratischem Aufwand belasten.


Mehr im Dossier  documenta 12

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