Die Sammlung Lauffs wird abgezogen und verkauft

Wiederholen ist gestohlen

Stefan Kobel
19. März 2008
Der Kindermund sagt: "Geschenkt ist geschenkt. Wiederholen ist gestohlen!" Der Gesetzgeber sieht das genauso. Da Kunstsammler jedoch selten auf den materiellen Gegenwert ihrer Kunstwerke verzichten wollen, werden schon seit Jahrzehnten und in letzter Zeit immer häufiger Leihverträge mit Museen geschlossen. So hielt es auch das Ehepaar Lauffs, das vor 40 Jahren begann, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Wie damals üblich und auch heute noch häufig praktiziert, basierte das Verhältnis vor allem auf gegenseitigem Vertrauen der beteiligten Partner. An ein mögliches Ende der Beziehung schien nur selten jemand gedacht zu haben.

Jetzt ist es allerdings soweit: Helga Lauffs zieht ihre komplette Sammlung aus den Krefelder Museen ab. Wie ihr Kölner Anwalt Michael Loschelder mitteilte, sollen sämtliche rund 600  Werke im April und Mai abtransportiert werden. Er habe über anderthalb Jahre versucht, eine Einigung herbeizuführen - erfolglos. Der größte Teil der Sammlung mit Werken von Andy Warhol, Claes Oldenburg, Donald Judd, Jean Tinguely, Yves Klein, Edward Kienholz, George Segal und anderen wird über Sotheby's und Zwirner & Wirth zu Geld gemacht. "Über rund ein Drittel verhandle ich mit einem, ab nächster Woche mit einem zweiten Museum", so Loschelder. Dabei handelt es sich vorwiegend um seit den 1980er Jahren entstandene Arbeiten.

Wie bei einem ungünstig aufgesetzten Ehevertrag droht der andere Partner, das Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum mit den Dependancen Haus Lange und Haus Esters, leer auszugehen. Museumsleiter Martin Hentschel übt sich jedoch in Gelassenheit. Schiefgegangen sei eigentlich nichts. "Der Sammler hat von seinem Recht Gebrauch gemacht, seine Sammlung zurück zu fordern", erklärt er. Ganz so schlicht ist die Angelegenheit wiederum nicht. Schließlich hat die Sammlerfamilie beim Aufbau der Sammlung über 40 Jahre lang vom Know-how des Museums profitiert, vom geldwerten Vorteil der musealen Präsentation über Jahrzehnte hinweg ganz zu schweigen.

Immerhin soll Krefeld nicht ganz das Nachsehen haben. Der Krefelder Beuys-Block, so ist Medienberichten zu entnehmen, solle im Museum verbleiben. Über ihren Anwalt lässt Frau Lauffs auch erklären, sie sei "bemüht, auch hinsichtlich der fünf Beuys-Werke in Gesprächen und Verhandlungen unter Einbeziehung der Familie Beuys eine Lösung zu finden, die allen Interessen, auch den Interessen des Kaiser-Wilhelm-Museums, gerecht wird". Dessen Direktor Hentschel meint denn auch: "Wenn die Beuys-Arbeiten übrig blieben, wäre das ja schon was. Aber das ist Verhandlungssache. Da geht es um Geld." Geschenkt gibt's also nichts. Von einem Millionenbetrag ist die Rede.

Bei genauer Betrachtung drängt sich der Verdacht auf, dass es um wenig anderes als ums Geld geht. Offiziell wurde der Rückzug seit den ersten Verlautbarungen vor knapp zwei Jahren immer mit dem Sanierungsstau der Krefelder Ausstellungshäuser begründet. Tatsächlich wurden erste Werke schon früher abgezogen und verkauft. Vor vier Jahren zwei Werke von Roy Lichtenstein und ein Jahr darauf ein weiteres von Andy Warhol. Der Erlös belief sich seinerzeit auf rund 7 Millionen Euro. Das Lamento über die stiefmütterliche Behandlung durch die Stadt wurde geschickt eingesetzt, um eine mögliche Diskussion über die moralische Verantwortung der Leihgeberin gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dass ein Museum jetzt darum kämpfen muss, als Lohn für jahrzehntelange Beratung, Pflege und Präsentation wenigstens ein knappes Prozent der ihm anvertrauten Sammlung kaufen zu dürfen, sollte Politikern und Museumsleuten für die Zukunft eine Lehre sein.

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