13. September 2011
Die Auktionssaison hat wieder begonnen. Begleitet wird sie wie immer von einer Vielzahl sogenannter „Benefizauktionen“. Geradezu inflationär hat sich die Form der Versteigerung für den guten Zweck in den letzten Jahren ihren Weg gebahnt, manch bekannter Künstler darf gar mehrmals im Jahr kostenlos seine Werke zur Verfügung stellen. Lieber noch geben sich die großen Versteigerer dazu her, in ihr tägliches Geschäft die eine oder andere Pro-bono-Veranstaltung zu integrieren, schließlich profitieren auch sie in Sachen Neukundenakquise und Kundenbindung vom Bieterkampf für das Gute. Benefizauktionen können allerdings auch gnadenlos in die Hose gehen. Dass Benefiz draufsteht, heißt noch lange nicht, dass sich ausreichend Bieter zur Unterstützung der Sache finden. Das A und O der Charityauktion ist daher die gute Vorbereitung seitens der Veranstalter und immer auch ein Quäntchen Glück. Leichter gesagt, als getan: Einladung, Stimmung und Animation - steht auch nur einer der drei ausschlaggebenden Faktoren auf wackligen Beinen, kann es schnell zu Katastrophen kommen. Auch Auktionshäuser haben einen Ruf zu verlieren und sollten sich um wenigstens eine Handvoll solventer Bieter bemühen. Doch auch der Besuch der Benefizauktion unterliegt gewissen Regeln. Die fünf Dos und Don’ts des Bietens im Sinne der guten Sache:
Bereiten Sie sich vor
Entspannte Bieter sind gute Bieter. Alkohol senkt die Hemmschwelle. Und da Skrupel, wenn das Geld locker fließen soll, bekanntermaßen das Unpraktischste sind, was es gibt, sollten Sie sich im Vorhinein zur Entspannung in Maßen bedröhnen. Es sei denn, Sie sind von Natur aus völlig hemmungslos. Für Veranstalter gilt gleichermaßen: Stellen Sie legale Drogen zur Verfügung! Ein Gläschen Wein oder eine Flasche Bier muss für jeden potenziellen Bieter drin sein, so mau die Mittel auch sind. Am Ende profitieren alle davon.
Spielen Sie keine Spielchen
Bei der Benefizauktion geht es nicht um Sie selber. Sie sind ein bedeutender Sammler und auch sonst ein Supertyp? Das spielt heute Abend keine Rolle. Benefiz ist alleine der Sache verpflichtet. Lehnen Sie sich also zurück und lassen Sie ihr Ego ruhen. Witzchen und Getuschel auf den hinteren Rängen sind verboten. Nur beim Bieten selber dürfen Sie sich wieder voll in Szene setzen – je länger und lauter, desto besser.
Suchen Sie nicht das Schnäppchen
Im Discounter kauft man Nudeln und Konserven, aber keine Kunst. Schnäppchenjagd ist auf der Benefizveranstaltung stillos. Wer auf den großen Ausverkauf hofft, sollte sich erst schämen und sich anschließend eines Besseren besinnen und das Geldsäcklein öffnen. Denken Sie beim Bieten daran: Die Künstler haben ihre Werke kostenlos zur Verfügung gestellt, Sie erhalten vom Erlös keinen Heller. Wenn Sie von Natur aus geizig sind, haben Sie auf Benefizveranstaltungen sowieso nichts verloren. Wenn zudem alle wissen, dass Sie ein solventer Sammler sind, machen Sie sich mit Schnäppchenkäufen mehr als lächerlich. Kunstkauf muss ein schlechtes Gewissen hinterlassen, vor allem hier.
Machen Sie keinen Reibach
Sie haben doch ein Schnäppchen gemacht? Die Sache können Sie jetzt nur noch toppen, indem Sie das Werk über die am besten noch allernächste Auktion eines großen Versteigerers für alle gut sichtbar verkaufen. Damit haben Sie der gesamten Menschheit bewiesen, worum es Ihnen wirklich geht. Jedenfalls nicht um Künstler, Kinder oder Kriegsversehrte. Behalten Sie das ersteigerte Werk mindestens zehn Jahre lang oder schenken Sie es gleich einem Museum.
Stehen Sie zu dem, was Sie getan haben
Egal wie die Sache ausgeht, stehen Sie zu Ihrer Prasssucht oder Ihrem Geiz. Sie gehören zu einem von fünf Bietern auf einer Benefizauktion mit 35 Losen und haben gleich zehn Werke unter dem Limitpreis ersteigert, weil der Auktionator leider vergessen hat, dass es diesen überhaupt gab? Wenn Sie ganz freundlich sind, spenden Sie einen zusätzlichen Betrag. Sie haben eine unbedeutende Grafik in 25er-Auflage für das Zwanzigfache des Handelswertes ersteigert? Erzählen Sie es überall herum. Sie können zu Recht stolz auf sich sein.
„Benefizauktion zu Gunsten des Kunstverein Hamburg in Kooperation mit Sotheby’s“ – mit Georg Baselitz, Thomas Bayrle, John Bock, Michael Conrads, Plamen Dejanoff, Thomas Demand, Charley Harper, Jeppe Hein, Georg Herold, Carsten Höller, Jörg Immendorff, Per Kirkeby, Konrad Klapheck, Oskar Kokoschka, Charles Lapicque , Stefan Marx, Paul McCarthy, Olaf Metzel, Olaf Nicolai, Holger Niehaus, Jorge Pardo, Manfred Pernice, Tal R, Tobias Rehberger, Markus Schinwald, Andreas Slominski, Silke Wagner, Erwin Wurm, Tobias Zielony – Kunstverein Hamburg. Am 13. September, um 20 Uhr
„Benefizauktion zu Gunsten des Kunstvereins Hamburg“ – mit Arbeiten von Franz Ackermann, Douglas Gordon, Wade Guyton, Anselm Reyle, Daniel Richter, Rirkrit Tiravanija, Gert und Uwe Tobias – Sotheby’s London. Am 14. Oktober 2011, um 12 Uhr
Auktion „Artists for Haiti“ – David Zwirner, New York; Christie's New York. Vom 6. bis 14. September 2011
Auktion „Real Venice” zu Rettung der Lagunenstadt – Mit Arbeiten von u.a. Nan Goldin, Candida Höfer, Robert Walker, Hiroshi Watanabe und Matthias Schaller - Phillips de Pury & Company. 3. November 2011