Die BRAFA in Brüssel

Guerillla-Marketing für Antiquitäten

Stefan Kobel
28. Januar 2009
BRAFA – Brussels Antiques & Fine Arts Fair, Brüssel. Vom 23. Januar bis 1. Februar 2009

Kunst- und Antiquitätenhändler sind konservativ. Wenn sich aber einer von ihnen mithilfe neuer Medien an Guerilla-Marketing versucht, ist das Desaster vorprogrammiert. Besucher der BRAFA, Brüssels wichtigster und ältester Messe für Kunst und Antiquitäten, dürften nicht schlecht staunen, sollten sie vergessen haben, die Bluetooth-Funktion ihres Mobiltelefons zu deaktivieren. Denn am Eingang dient ihnen ein Amsterdamer Gemäldehändler ungefragt via animiertem Bild 5 Prozent Rabatt an, bei Käufen unter 25.000 Euro sogar 10 Prozent.

Ansonsten geht es jedoch ausgesprochen gediegen zu auf Belgiens edelster Branchenschau, die den wenigen angereisten deutschen Besuchern eine ungewohnte Pracht bietet. So etwas dürften sie ansonsten wohl nur von der TEFAF in Maastricht oder aus Paris kennen. In Deutschland ist ein derart hochwertiges Angebot in dieser Breite nicht zu finden. Allerdings ist es auch stark auf den belgisch-französischen Geschmack zugeschnitten. Das verwundert nicht, schließlich rekrutieren sich über 80 Prozent der Aussteller aus diesen beiden Nationen und wahrscheinlich 90 Prozent des Publikums. Die Veranstalter bemühen sich, seit dem Umzug in die Lagerhallen des ehemaligen Rangierbahnhofs des Hauses Thurn & Taxis vor fünf Jahren, um eine Internationalisierung, die zur anglizisierenden Umbenennung von „Foire des Antiquaires de Belgique“ in „Brussels Antiques & Fine Arts Fair“ geführt hat. Noch stammen erst sechs der 124 Aussteller aus Deutschland, dafür gehören dazu aber so prominente wie die Göttinger Antikenhändlerin Roswitha Eberwein oder der Münchener Kunstsalon Franke.

Die stark regionale Ausrichtung scheint dem ökonomischen Erfolg in schwierigen Zeiten nicht zu schaden, eher im Gegenteil. Verkauft wird in allen Sparten, allerdings unterschiedlich gut. Während Kunsthandwerk, Antiquitäten und die in Belgien beliebte außereuropäische Kunst einigermaßen krisenfest scheinen, ist das Interesse an Gemälden deutlich gebremst, quer durch alle Epochen. Die meisten Händler haben sich darauf eingestellt. So meint Eric La Pipe aus Brüssel, der an seinem Stand Gemälde vom Barock bis zur Nachkriegsmoderne anbietet: „Es wird mehr reflektiert und nicht mehr sofort gekauft.“ Die Preispolitik sei wichtig, betont er. Zu hohe Preise vergrätzten die Kunden, mit entsprechend moderater Kalkulation seien aber immer noch Abschlüsse möglich. So ähnlich sieht man es bei Jan Roelofs aus Amsterdam. Man sei zwar nicht unbedingt betroffen, heißt es, weil man die Top-Klientel bediene. Allerdings habe man die Preise doch etwas angepasst.

Der Antikenhändler Phoenix Ancient Art S.A. aus Genf und New York geht etwas subtiler vor. Mitinhaber Hicham Aboutaam hat die exklusiven Stücke jenseits der Millionengrenze gar nicht erst mitgebracht, aus Rücksicht auf die Kunden. Da er um ihre Situation wisse, wolle er sie nicht in Verlegenheit bringen, indem er ihnen Objekte zeige, die sie sich aktuell nicht leisten könnten. Aus der Galerie würden solche Verkäufe gleichwohl immer noch getätigt. Kunsthandelsikone Axel Vervoordt aus ‘s-Gravenwezel bespielt seinen Stand für seine Verhältnisse konventionell, auch wenn er in die für ihn charakteristische Dunkelheit getaucht ist, in der wenige Stück schlaglichtartig erhellt werden. Für Vervoordt ist das Geschäftsmodell Messe ohnehin eher ein Nebenschauplatz. Auf seinem Schloss in der belgischen Provinz und in aufsehenerregenden Präsentationen an prominenten Plätzen etwa in Venedig oder Paris kann er ganze Einrichtungen auf Museumsniveau zelebrieren. Auf eine Teilnahme in Brüssel wird er aber wohl auch in Zukunft nicht verzichten. Dafür ist der Marktplatz zu wichtig. Und mit der Bemühung um weitere Internationalisierung auf einem guten Weg.


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