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Die artparis 2009

Abwarten und Kunst kaufen

Stefan Kobel
20. März 2009
artparis, Grand Palais, Paris. Vom 19. bis 23. März 2009

Die zweite Geige hat es manchmal leichter. Die artparis ist in der französischen Hauptstadt nach der FIAC nur die B-Messe, doch mit dieser Rolle ist sie ganz glücklich. Ein wenig nimmt sich artparis im Grand Palais wie ein erwachsener, zeitlich entfernter Satellit der Muttermesse aus, der qualitativ allerdings wesentlich mehr zu bieten hat als die direkten Anhängsel im Herbst. Das Programm ist deutlich jünger, das Preisniveau durchschnittlich niedriger und das Angebot französischer als auf der FIAC. Man kommt sich also nicht in die Quere. Anscheinend ist der Markt groß genug für zwei Veranstaltungen. Davon scheint man zumindest auf staatlicher Seite überzeugt zu sein. Zwar ist die FIAC das offizielle Lieblingskind der Regierung, doch lässt es sich die rührige Kulturministerin nicht nehmen, auch zur Eröffnung der artparis zu erscheinen.

Der Außenminister wäre hier auch nicht nötig, denn das Publikum besteht vielen Teilnehmern zufolge zu rund 90 Prozent aus Franzosen. Die Kundschaft wohl ebenfalls, und das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Denn Franzosen kaufen in der Regel anders. Ernst Hilger aus Wien, der hier seit drei Jahren teilnimmt – „seit die FIAC nach 25 Jahren keinen Platz mehr für uns hatte“ – schätzt an den Franzosen ihre Persistenz: „Hier gibt es viele Sammler, die die Karriere ihrer Künstler ein Leben lang begleiten und immer wieder etwas kaufen. Das gibt es in Frankreich viel mehr als bei uns.“ Spricht‘s und begrüßt einen Sammler, der nach einigen Minuten am Stand auf die Wand mit Collagen von Errò aus den 1970er-Jahren zeigt und sagt: „Ich nehme das, das, das, das und das“ und wieder vom Stand verschwindet. Die beiden kennen sich offensichtlich schon länger. Der Galerist hat allerdings schon vorher kapital verkauft, ein Gemälde von Mel Ramos für 190.000 Euro – an einen Kollegen.

Ein ähnliches Schicksal hatte einst Georg Nothelfer aus Berlin ereilt, der jetzt ebenfalls seit einigen Jahren im Frühjahr an die Seine kommt und besonders von der aktuellen Ausgabe begeistert ist: „Bisher ist die Vernissage die bestbesuchte, was die Sammler angeht, die aus ganz Europa im Minutentakt an den Stand kommen.“ Gelohnt hat sich die Anreise für ihn ebenfalls – ein Gemälde von Karl Otto Götz aus dem Jahr 1963 hat für einen Preis zwischen 80.000 und 90.000 Euro einen neuen, deutschsprachigen Besitzer gefunden. Der Schweizer Galerist Guy Bärtschi ist ebenfalls von der FIAC abgelehnt worden und erstmals bei der artparis dabei. Wie andere langjährige Aussteller hat auch er dort einen treuen Kundenstamm, so dass er in der französischen Hauptstadt präsent sein muss. Für ihn lohnt sich das Engagement ebenfalls, hat er doch schon in den ersten Stunden Arbeiten von Wim Delvoye, Philippe Favier und Carmen Perrin verkauft.

Doch die artparis ist keineswegs ein Salon der Refüsierten. Einige einheimische Großgalerien können es sich leisten, auf beiden Veranstaltungen präsent zu sein, ohne Druck von Seiten der FIAC fürchten zu müssen. Zu ihnen gehört die Galerie Daniel Templon, deren Inhaber mit dem Verlauf der Vernissage recht zufrieden ist. „Paris ist nicht tot“, erklärt er. „ Die Stadt lebt. Die Leute kaufen zwar nicht mehr für 100.000 und 200.000 Euro. Aber sie kaufen für 10.000, 20.000 oder 30.000 Euro.“ Damit benennt er allerdings ein Problem, das bekanntlich nicht nur die Franzosen umtreibt: Die Sammler verweigern sich nicht völlig, sind jedoch nicht mehr so freigiebig wie in den letzten Jahren. Die daraus resultierenden Umsatzeinbußen sind massiv. Die auf Fotografie spezialisierte Esther Woerdehoff spricht das als eine der wenigen auch offen an: „Ich halte mich dieses Jahr etwas bedeckt. Vorrangig kommt es darauf an, meine Angestellten zu bezahlen.“ Andere sparen genau dort und setzen Personal schwungweise auf die Straße, das eigentlich für die inhaltliche Arbeit dringend benötigt würde. Das kommt für die Pariser Galeristin nicht in Frage. „Das Wichtigste ist jetzt, dem Programm treu zu bleiben und keine Konzessionen an den Markt und die Moden zu machen.“ Denn genau dies scheinen einige Kollegen zu tun, und die inhaltliche Schwäche so mancher Galerieposition ist offensichtlich: „Das Niveau ist ein bisschen unausgeglichen. Die Messe hat noch nicht ausschließlich die Aussteller, die sie verdient hätte“, so Woerdehoff.

Das liegt auch daran, dass einige bisherige Teilnehmer mitunter kurzfristig abgesprungen sind, unter ihnen 1900/2000, Di Meo aus Paris und Mauroner (Salzburg/Wien). Die Nachrücker sind zum Teil deutlich schwächer. Messe-Direktorin Caroline Clough-Lacoste sieht das naturgemäß anders, muss jedoch zugeben, dass der Anteil internationaler Galerien krisenbedingt um zehn Prozentpunkte auf ein knappes Drittel der Gesamtausstellerzahl abgenommen hat. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass sich die Messe in einer Umbruchphase befindet. Ihr künstlerischer Leiter Henri Jobbé-Duval, vor acht Jahren von der FIAC gekommen, ist ein eher traditioneller Vertreter des Pariser Szene-Establishments. Nun ist es kein Geheimnis, dass Lorenzo Rudolf im Team des neuen Messe-Besitzers Luxrule ist. Trotz bisheriger Dementis wird allgemein erwartet, dass er zumindest mittelfristig Einfluss auf die Ausrichtung der artparis nehmen wird, sobald er artparis-AbuDhabi und weitere Projekte in den neuen Märkten auf den Weg gebracht hat. Bis dahin dürften einige Großkaliber des internationalen Kunstmarktes eher abwartend in den Startblöcken stehen.


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