Die Antique & Kunstmesse in Düsseldorf

Gut Lachen

Stefan Kobel
13. Februar 2008
Antique & Kunstmesse Düsseldorf. Vom 13. bis 17. Februar 2008

In Düsseldorf hat man gut Lachen: Während es allerorten kracht im deutschen Kunstmessegebälk, ziehen die Rheinländer mit der Antique & Kunstmesse Düsseldorf innerhalb kürzester Zeit eine erfolgreiche neu Messe auf. Veranstalter ist die Neußer TextStyle GmbH, deren eigentliches Geschäft im Kunstsektor sich bisher auf die Ausstattung der Kojen mit Stoffbespannung beschränkte. Der stetige Niedergang der vor langer Zeit einmal wichtigen Westdeutschen Kunstmesse,  die Düsseldorf und Köln in trauter Eintracht wechselweise abgehalten hatten, bis die südlichen Nachbarn sie unter dem Namen CologneFine Art an sich und dann in den Untergang rissen, eröffnete für TextStyles Chef Michael Daniels eine einmalige Chance - die noch vielversprechender erschien, seit die Kölner ihre Messe in den Herbst verlegten.

Er selbst beschreibt das so: „Ich halte den Frühjahrstermin nach wie vor für glücklich und ich erhalte immer wieder die Bestätigung aus dem Handel, dass dieser der interessantere ist. Das zeigt auch die Tatsache, dass wir vor einigen Jahren, als die Kölner Messe im Frühjahr war, einen Herbsttermin angeboten haben, der vom Handel nicht angenommen wurde. Erst mit der Verlegung der Cologne Fine Art hatten wir für das Frühjahr den entsprechenden Zuspruch.“

Und er war gewaltig. Versammelten sich letztes Jahr noch knapp 60 Händler in einer unglücklich gewählten Halle am Flughafen, geben sich seit der Vernissage am Dienstag 113 Aussteller die Ehre. Offensichtlich schätzen Kunstvermittler die Situation ähnlich ein, nicht nur im Bereich der Alten Kunst. Einige bekannte und vornehmlich einheimische Vertreter aus dem Bereich der Moderne und Nachkriegskunst haben sich zusammengetan und geben dem Neuling eine Chance. Dabei bespielen sie die Messe zumeist nicht mit beliebiger, sondern haben sich Mühe gegeben, etwas Besonderes zu zeigen. Hans Maulberger aus München etwa meint: „Seit langem mal wieder eine Messe, wo man gerne hergeht und sein Glück versucht.“ Er hat gleich seine ganze Galerieausstellung aus München mitgebracht, die dem immer noch unterbewerteten Rolf Cavael gewidmet ist. Zu den Höhepunkten gehören kleine abstrakte Tuschzeichnungen, die der Künstler in den späten 30er Jahren im KZ  angefertigt hat. Beck & Eggeling aus Düsseldorf beschränken sich auf wenige Arbeiten der beiden Freunde Heinz Mack und Lucio Fontana. Auch Rainer M. Ludorff, ebenfalls Düsseldorf, ist mehr oder weniger mit seiner kompletten Galerieausstellung auf das Messegelände gezogen. Er dürfte das teuerste Werk zeigen: Ein kleines Gemälde von Alexej Jawlensky für 1,35 Mio. Euro. Für ihn gab letztlich der neue Veranstaltungsort den Ausschlag: „Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn ihr eine anständige Halle organisiert, bin ich dabei.“ Dass die auch gefüllt werden muss, merkt der Besucher allerdings. An den Rändern Richtung Zeitgenossen franst das Angebot etwas aus.

Sehr angenehm gestaltet sich die gediegene Abteilung mit Alter Kunst und Kunsthandwerk. Fast die gesamte Oberliga der Westdeutschen Kunstmesse ist vertreten, inklusive einiger TEFAF-Teilnehmer, darunter Michael Nolte aus Münster, der diesen Marktplatz einfach braucht, weil hier ganz andere Ware gefragt ist als in Maastricht: „Die französischen Möbel gehen alle nach Maastricht. Hier haben wir Biedermeier und Düsseldorfer Malerschule,  von der wir italienische Landschaften zeigen.“

Dass das Rheinland noch immer eine starke Sammlerschaft habe, ist eine oft wiederholte Behauptung. Tatsächlich scheint der Markt jedoch so tragfähig zu sein, dass er sogar den Händlernachwuchs ermutigt, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Zu den jungen Gesichtern zählt  Elmar Robert, dessen Ars Medievalis aus Köln sich auf Mittelalterliches spezialisiert und mit angenehm niedrigen Preisen auffällt. Ähnlich hält es Hubertus Erfurt, der ebenfalls in Köln ein kleines Geschäft eröffnet hat. Er meint: „Das Rheinland ist immer gut. Hier haben die Leute Spaß an schönen Dingen und sind nicht so kniepig wie in Süddeutschland – München einmal ausgenommen.“

Damit sind die beiden Pole benannt, zwischen denen sich für die Händler Alter Kunst der Markt bewegt. Gerne hätten sie je eine starke Frühjahrsmesse im Rheinland und eine Veranstaltung im Herbst in München.  Doch die Traditionsveranstaltungen schwächeln. Neben Köln steht dem Hörensagen nach München ebenfalls auf der Kippe. Mit Michael Daniels, der bereits die Messe in Herrenhausen erfolgreich wiederbelebt und jetzt in Düsseldorf eine allseits mit Lob bedachte Veranstaltung aufgezogen hat, scheint die Branche wieder hoffen zu dürfen. Über ein gesundes Selbstbewusstsein bezogen auf seine Messe verfügt er zumindest: „Wir positionieren uns etwa auf Augenhöhe mit der Münchener Messe, qualitativ hochwertiger als die Kölner Messe, was den Antiquitätenbereich angeht. Ich sehe die Messe in den nächsten Jahren ganz klar platziert als DIE wichtige Messe im Rheinland mit dem Einzugsgebiet BeNeLux-Länder.“

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