3. Juni 2008
Art|39|Basel, Messegelände Basel. Vom 4. bis 8. Juni 2008Keine Fragen! Mit einer Veranstaltung zwischen Politbüro-Pressekonferenz und Popkonzert nahm die 39. Ausgabe der Art Basel einen etwas bizarren Anfang. In zwei Reihen auf einer Bühne saßen die Honoratioren und Juroren wie ein Kurorchester neben dem Rednerpult, freilich ohne ein Signal zum Einsatz. Zu Wort kam nur das Leitungsduo der Messe und der Vertreter einer fördernden Großbank. Annette Schönholzer und Marc Spiegler blieben in ihren Aussagen jedoch denkbar knapp. Nach zwei reduktionistischen Ansprachen wurden offene Fragen der Presse nicht zugelassen. Ersatzweise wollte Art-Basel-Strategiechef Marc Spiegler kurze Interviews zugestehen. In welcher Reihenfolge diese Gunst gewährt wurde, durfte noch der scheidende Pressechef Peter Vetsch (demnächst Artforum Berlin) festlegen. Spiegler selbst bezog hinter einer kleinen Absperrung Position, wo ihm die Kritiker einzeln zugeführt wurden. Einen guten Eindruck machte das nicht.
Auf der Messe selbst war dann jedoch alles wie gehabt. Um Punkt 11 Uhr durften die ersten VIPs in die Hallen und zwei Minuten später hatten die ersten Kunstwerke ihren Besitzer gewechselt. Von Rezession oder Kaufzurückhaltung keine Spur. Bei Thaddaeus Ropac aus Salzburg/Paris hieß es dazu lapidar: "Bei Galerien ab einer gewissen Kategorie läuft es nach wie vor gut." Das scheint für die Muttermesse tatsächlich zu stimmen. Bei den Satelliten dürfte man allerdings langsam anfangen, sich Gedanken zu machen. Das gerade aus der Taufe gehobene Solo Project litt bei seiner Premiere am Vortag etwas unter mangelndem Publikumszuspruch - es wusste allerdings auch kaum jemand von der Veranstaltung. Zur Liste war vermehrt zu hören, dass diese Art der institutionalisierten Subkulturimage-Pflege nun doch langsam etwas nervig sei. Denn dass dort trotz des sorgsam konservierten Garagen-Charmes keine Entdeckungen zu machen sind, sollte mittlerweile selbst beim letzten transatlantischen Sammler angekommen sein.
Ermüdungserscheinungen zeigen auch die beiden als Frischzellenkuren gedachten Sonderschauen der Art Basel, die Art Projects und die Art Unlimited. Hier vermögen nur wenige Positionen wirklich zu begeistern. Bei letzterer ist es ausgerechnet das Werk eines chinesischen Künstlers bei einer chinesischen Galerie - ein Bereich, den die Schweizer über Jahre sträflich vernachlässigt haben. Chinesische Besucher waren denn auch nur sehr spärlich zu sichten, etwas häufiger dagegen Koreaner, Japaner und Taiwaner. Die allerdings fielen kaum auf im wie immer fast ausschließlich kaukasischen Publikum. Viele Amerikaner waren außerdem darunter, die sogar freigiebig ihr Geld zurückließen - und das bei Preisen, die bekanntlich hoch sind. So mancher Galerist kommt seinen Kunden da entgegen. Rudolf Kicken aus Berlin etwa, der seinen etwas mehr als briefmarkengroßen Abzug von André Kertesz'Satiric Dancer, Paris nach wie vor für zwei Mio. US-Dollar anbietet - für Europäer mittlerweile fast ein Schnäppchen.
Noch läuft die Maschine Art Basel also, ungeachtet des Sandes im Getriebe der Organisation, von dem man in jeder Ecke der Veranstaltung munkelt. Mögen auch die ganz umwälzenden Neuentdeckungen noch eines zweiten oder dritten Blicks in das Messeangebot bedürfen und mag auch ein hochzufriedener Berliner Galerist die Mediokrität des häufig mittelformatigen, sehr verkaufsorientierten Malereiangebots beklagen - die Kasse stimmt, auch bei ihm, selbst wenn sich seine etwas intellektuellere Ware nicht in der ersten Viertelstunde absetzen lässt. Das Systemspiel Basel verheißt noch immer sichere Gewinne. Selten hatte - bis auf den einen oder anderen Industriemanager - wohl jemand so daneben gelegen wie Joseph Beuys, der schon 1984 auf einer Schiefertafel prophezeite, es blieben "nur noch 1017 Tage bis zum Ende des Kapitalismus". Das schamanische Relikt ist bei Kewenig aus Köln für 650.000 Euro zu haben.
Der Boom der Editionen
von Mathias Remmele
Auf der zum dritten Mal veranstalteten Design Miami/Basel dominierten mehr denn je die Design-Editionen.
Auf dem Weg in die Selbstverständlichkeit
von Andreas Schmid
Nach einem Jahr des Riesenhypes für die chinesische Kunst fiel beim Rundgang über die 39. Art Basel eine befreiende Rückkehr zur Normalität auf.
Dancing Queen
von Gerrit Gohlke & Stefan Kobel
Nach wir vor laufen die Fäden der Kunstwelt in Basel zusammen. Auch regionale Konjunkturdellen ändern daran vorerst nichts.
Sleeping Satellites
von Stefan Kobel
Wer sich in Zukunft als Nebenmesse zur Art Basel abheben will, der sollte ein inhaltlich wie organisatorisch ausgeschlafenes Programm zu bieten haben.
Survival
von Gerrit Gohlke
In Basel funktioniert das ganz Große und das ganz Kleine. Dort entzieht sich die Kunst der Messe und dem Mittelmaß.
Alles wie immer
von Stefan Kobel
Die Führung der Art 39 Basel gibt sich verschwiegen und pressescheu. Doch die die Messemaschine läuft wie gewohnt - auch ohne Steuerungsimpulse von oben.
Impress me!
von Stefan Kobel
Schöne Menschen, reiche Menschen, teure Kunst - die Art Basel hat alles. Auf der Vernissage der 39. Ausgabe trifft sich der Kunst-Jetset zur größten Leistungsschau des internationalen Kunsthandels. Das artnet Magazin war mit der Kamera dabei.
Art Basel der Zukunft
von Stefan Kobel
Rezession auf dem Kunstmarkt - nicht für die Art Basel und die Art Basel Miami Beach. Marc Spiegler spricht über die Zukunft des Formats Kunstmesse.
Die Entdeckung des Gleichgewichts
von Ludwig Seyfarth
Während die Messe sich an ihrer Hektik berauscht, herrscht in den Basler Galerien Bedächtigkeit. Nicht zum Schaden der Qualität.