7. Oktober 2008
Zunächst war von einer strategischen Partnerschaft die Rede. Der Verkauf des Auktionshauses
Phillips de Pury & Company an die Moskauer
Mercury Group wurde vom alten und neuen Chairman
Simon de Pury mit dem schnellen Wachstum der vergangenen vier Jahre begründet. Währenddessen verbreiteten sich aber bereits Gerüchte, die enorme Verschuldung von Phillips de Pury & Company sei der eigentliche Grund für den überraschenden Einstieg der Russen (artnet berichtete).
Die Wahrheit könnte aber weit dramatischer sein als de Purys optimistischer Blick in die Zukunft enthüllen wollte. Für das Auktionshaus könnte es sich um eine Rettung in letzter Sekunde handeln. In Branchenkreisen wird gemutmaßt, es handele sich um einen Notverkauf. Demnach habe das 1796 gegründete Traditionsunternehmen bereits kurz vor dem Zusammenbruch gestanden. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass man sich in der Geschäftspolitik auf genau jene Aktivitäten konzentriert habe, die von der aktuellen Finanzkrise am stärksten betroffen seien. Phillips de Pury hatte - wie die beiden anderen großen Häuser Christie´s und Sotheby's - mit großzügigen Garantien um Einlieferungen von Millionenwerken gebuhlt, hatte aber wohl zuletzt Schwierigkeiten, diesen Verpflichtungen pünktlich nachzukommen. Ein Händler weiß von einem Kollegen zu berichten, der seit Januar auf die Auszahlung einer Garantie warte.
In dieser Lage sollen selbst mit dem Konkurrenten Christie´s Übernahmegespräche geführt worden sein, allerdings ohne Ergebnis. „Wenigstens ist uns diese Pleite erspart geblieben“, meint ein Händler erleichtert und setzt nach: „Jetzt lässt sich das ganze noch als positive Nachricht und als ein strategischer Plan verkaufen.“
Eine Pressesprecherin von Phillips de Pury & Company widerspricht den Gerüchten über einen Notverkauf und verweist auf das substanzielle Wachstum des Hauses innerhalb der letzten vier Jahre, das ihren Arbeitgeber zu einem attraktiven Unternehmen für einen Investor machten. Auch Senior Partner Michaela Neumeister wollte sich nicht weiter zu dem Thema äußern.