Es ist, als traute man dem Auge nichts mehr zu. Zwar hat der Begriff des „Realen“ im aktuellen Kunstbetrieb Hochkonjunktur, doch auf den beobachtenden Blick allein mag man sich nicht verlassen. Davon zeugen die zahlreichen Ausstellungen, die eher auf das Konzeptuelle, Narrative und Spektakuläre setzen. Einer, der dem Auge schon immer getraut hat, ist der US-amerikanische Fotograf Lewis Baltz, dessen Arbeiten in der Kölner Galerie Thomas Zander zu sehen sind.
Baltz wurde 1945 geboren und gehört damit zu einer Generation, in der die Fotografie noch nicht als ernstzunehmende Kunstform galt. Umso bemerkenswerter ist sein früher Erfolg. Baltz zählt zu den ersten, die ihr Werk in einer der großen einflussreichen Galerien zeigen durften, die nicht auf Fotografie spezialisiert war: 1971 stellte die legendäre New Yorker Galerie Leo Castelli seine Arbeiten aus. Zu den damaligen Jungstars dieser Galerie gehörte auch Donald Judd, dessen Boxen aus hochpoliertem Edelmetall später zu Markenzeichen des Minimalismus werden sollten.
Jetzt bringt die Galerie Thomas Zander diese beiden Künstler zusammen. Und da zeigt sich, dass sie mehr verbindet als nur die gemeinsame Galerie. Es ist ihre Besessenheit, das Betrachtete von allem Überflüssigen zu befreien und das Auge auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und dieses Wesentliche findet sich im formalen Aufbau der Werke und in ihren Oberflächenstrukturen. Fast gleichen Baltz‘ Aufnahmen abstrakten Zeichnungen. Einige verzichten sogar noch auf die Linie eines Fensters; ihnen genügt die Struktur einer Wand oder das pure Licht, dessen Schattierung Linien und Flächen auf der Bildfläche konstruiert.
Diesen Exerzitien in formaler Klarheit hängt eine Messing-Box von Judd gegenüber, die einen rötlichen Schatten auf die Wand wirft. Still und zurückhaltend korrespondiert dieser leuchtende Kubus mit den Fotos von Baltz, zumal mit den Werken aus der fortlaufenden Serie „The Prototype Works“. Bei beiden, wie auch den hier präsentierten Zeichnungen Judds aus den 1970er-Jahren, offenbart sich das Vertrauen in die klare, selbstbewusste Form. Selten wurde dem Auge so viel Schärfe geboten. Das ist in Zeiten, die den Blick eher vernebeln, nicht wenig.












