Wären wir Nerds und unser Soziotop das Internet, müsste an dieser Stelle „Spoilerwarnung“ stehen. Das ist in den Online-Diskussionsforen der Hinweis darauf, dass der Clou eines Plots verraten wird. Der Kunstbetrieb jedoch ist fast immer überraschungsfrei. Wie oft wagt ein Künstler es schon, den eingeschlagenen – und vor allem erfolgbringenden – Weg zu verlassen? Doch manchmal geschieht genau das und eine Ausstellung entwickelt sich zum Thriller. Wie bei Peter Piller, der in seiner aktuellen Schau tatsächlich eigene Fotografien und eine Diaschau zeigt. Sogar Farbe gibt es da zu sehen! Wer mit Pillers Werk weniger vertraut ist, mag an dieser Aufzählung nichts Spektakuläres finden. Dieser Künstler aber ist ein besessener Bildersammler, der gewöhnlich aus dem systemischen Vergleich vorgefundener Aufnahmen soziologische Ministudien macht. Dies hier ist eine Piller-Revolution!
Piller, wie man ihn kennt, ist in dieser Schau zwar auch am Werk. Doch dann kommt’s dick: „Hintergrundfarbe" (2010) besteht aus 21 Farbdrucken, die auf Screenshots beruhen. Auf der Suche nach der Frage, wie ein Chatroom in concreto aussieht, stieß Piller auf Live-Sexcams. Hierbei verlassen die Performerinnen jeweils kurz den Raum, um sich umzuziehen. Die statische Webcam zeigt das bloße Interieur. Und genau dann drückt Piller auf die Taste. So entstehen seltsam abstrakte, farbfeldartige Bilder aus Tapeten-, Bett- und Vorhangmustern, die den durch die Virtualität geschleusten realen Raum erneut von uns entfernen und zum Bildraum machen. Hier werden aktiv Bilder erzeugt. Für „KRAFT”, eine Dia-Serie, die performative Züge trägt, drückte Piller jedes Mal, wenn er mit dem Auto am Werksgelände des Lebensmittelkonzerns vorbeifuhr, auf den Auslöser. Immer das gleiche Firmenschild, verschwommen, gestochen scharf, bei Tag und Nacht, bei Sonne und Schnee. Piller featuring Ed Ruscha vs. On Kawara. Hier bricht ein Künstler aus seinem gewohnten Arbeitsschema aus, bleibt seinen großen Fragen aber treu. Denn auch diese neuen, selbsterstellten Sammlungen bleiben soziokulturelle Rätselbilder. Das Wunderliche, es lauert immer im Detail.












