Wir sind im Rheinland, auf dem Experimentierfeld des deutschen Kunstbetriebs. Überall werden neue Formate erprobt oder bestehende zumindest umgeformt. Alle arbeiten am Standortfaktor. Das Zauberwort lautet „Vernetzung“. Mit ihrem aktuellen Projekt „Standing on the Shoulder of Giants“ will die Temporary Gallery Cologne nun alles auf einmal wagen. Will Kunstmarkt, alternatives Galeriemodell und Netzwerkzentrale sein. Das neue Gemeinschaftsgefühl über die Grenzen des Rheinlands tragen.
Denn erstens teilen sich bei dem von Caren Jones organisierten und kuratierten Projekt gleich drei Galerien von „außerhalb“ die Räume der Kölner Mietgalerie. Und zweitens wurde das Joint Venture von Magnus Åklundh aus Malmö, Niklas von Bartha aus London und Paul Kusseneers aus Antwerpen als eine Art „Mini-Messe“ angekündigt. Drei Räume, drei Kojen. Am Ende aber siegte der Wille zur Gruppenbildung. Es entstand eine Art Gemeinschaftskoje, bei der die Arbeiten der einzelnen Künstler – jede Galerie hat fünf mitgebracht – kreuz und quer durcheinanderhängen. Dass dabei kein erkennbares künstlerisches und kuratorisches Konzept sichtbar wird, versteht sich von selbst. Das gemeinsame Ausstellen ist sich selbst schon Konzept genug.
Und so finden sich kleinteilige Gemälde von Lisa D. Manner oder Truls Melins seltsame Skulpturen mit grünen Männchen neben Arbeiten von Clay Ketter, die Luftaufnahmen von Hausruinen der Hurrikan-Katastrophe „Katrina“ zeigen. Minimale Malerei, glanzvolle Stilllebenfotografie - alles ist dabei. Soll man dieses überbordende Nebeneinander jetzt als kunsthändlerischen Realismus würdigen? Oder krankt das Projekt daran, dass es sich mehr vornimmt, als es stemmen kann? Keiner Sache tut es gut, wenn man sie verkompliziert. Die Temporary Gallery ist als galeristischer Modellfall einer temporären Fremdnutzung an sich innovativ genug. Sie zusätzlich noch mit der Idee einer kuratierten Messe zu überfrachten, wäre gar nicht nötig gewesen. Schon deshalb nicht, weil die Temporärgalerie ebenso wie die DC Open Messealternativen sind, Schutzräume für Inhalt und Kontext im Windschatten der globalisierten Austauschplattformen.











