Lustloser Seitensprung
Temporary Gallery Cologne
Von Dominikus Müller

Galleri Magnus Åklundh, Malmö; Bartha Contemporary, London; Kusseneers Gallery, Antwerpen (Kuratiert von Caren Jones) - Temporary Gallery Cologne, Köln. Vom 3. September bis 2. Oktober 2010

Wir sind im Rheinland, auf dem Experimentierfeld des deutschen Kunstbetriebs. Überall werden neue Formate erprobt oder bestehende zumindest umgeformt. Alle arbeiten am Standortfaktor. Das Zauberwort lautet „Vernetzung“. Mit ihrem aktuellen Projekt „Standing on the Shoulder of Giants“ will die Temporary Gallery Cologne nun alles auf einmal wagen. Will Kunstmarkt, alternatives Galeriemodell und Netzwerkzentrale sein. Das neue Gemeinschaftsgefühl über die Grenzen des Rheinlands tragen.

Denn erstens teilen sich bei dem von Caren Jones organisierten und kuratierten Projekt gleich drei Galerien von „außerhalb“ die Räume der Kölner Mietgalerie. Und zweitens wurde das Joint Venture von Magnus Åklundh aus Malmö, Niklas von Bartha aus London und Paul Kusseneers aus Antwerpen als eine Art „Mini-Messe“ angekündigt. Drei Räume, drei Kojen. Am Ende aber siegte der Wille zur Gruppenbildung. Es entstand eine Art Gemeinschaftskoje, bei der die Arbeiten der einzelnen Künstler – jede Galerie hat fünf mitgebracht – kreuz und quer durcheinanderhängen. Dass dabei kein erkennbares künstlerisches und kuratorisches Konzept sichtbar wird, versteht sich von selbst. Das gemeinsame Ausstellen ist sich selbst schon Konzept genug.

Und so finden sich kleinteilige Gemälde von Lisa D. Manner oder Truls Melins seltsame Skulpturen mit grünen Männchen neben Arbeiten von Clay Ketter, die Luftaufnahmen von Hausruinen der Hurrikan-Katastrophe „Katrina“ zeigen. Minimale Malerei, glanzvolle Stilllebenfotografie - alles ist dabei. Soll man dieses überbordende Nebeneinander jetzt als kunsthändlerischen Realismus würdigen? Oder krankt das Projekt daran, dass es sich mehr vornimmt, als es stemmen kann? Keiner Sache tut es gut, wenn man sie verkompliziert. Die Temporary Gallery ist als galeristischer Modellfall einer temporären Fremdnutzung an sich innovativ genug. Sie zusätzlich noch mit der Idee einer kuratierten Messe zu überfrachten, wäre gar nicht nötig gewesen. Schon deshalb nicht, weil die Temporärgalerie ebenso wie die DC Open Messealternativen sind, Schutzräume für Inhalt und Kontext im Windschatten der globalisierten Austauschplattformen.

Clay Ketter
Folded Factory Town, 2006
Verschiedene Materialien
186 x 160 cm
Courtesy of Bartha Contemporary, London

Truls Melin
Ole Lukoie, 2006
Bronze, Eisen, Holz, Farbe
176 x 69 x 129 cm
Courtesy of Galleri Magnus Åklundh, Malmö

Wim Wauman
Aporia solance ae crateagi, 2009
Farbfotografie auf Hahnemühle FineArt-Fotopapier
60 x 75 cm, Ed. 5
Courtesy of Kusseneers Gallery, Antwerpen

Wim Wauman
Cucurbita Fragaria Maritima, 2009
Farbfotografie auf Hahnemühle FineArt-Fotopapier
120 x 150 cm, Ed. 3
Courtesy of Kusseneers Gallery, Antwerpen

Temporary Gallery Cologne

Die Temporary Gallery Cologne ist so etwas wie das Gastspielhaus unter den Kölner Galerien. Die Mietgalerie dient auswärtigen Kollegen als zeitweiliger Ausstellungsort am Rhein. Zum diesjährigen Galeriewochenende wird hier ein neues Modell erprobt: die kleinstmögliche Kunstmesse. Und die besteht für Kuratorin Caren Jones, selbst Galeristin in Köln, aus drei Teilnehmern: der Galleri Magnus Åklundh aus Malmö, der Londoner Galerie Bartha Contemporary und der Kusseneers Gallery aus Antwerpen. Åklundh, dessen Galerie seit mehr als 25 Jahren besteht, hat sich der Vermarktung regionaler und skandinavischer Künstler angenommen. Bartha Contemporary widmet sich dem Minimalistischen und Konzeptuellen und vertritt ein internationaleres Programm, darunter Douglas Allsop und Beat Zoderer. Die Kusseneers Gallery aus Antwerpen ist ebenfalls überregional aktiv. Neben so vertrauten Namen wie Tania Bruguera oder Bob und Roberta Smith findet man hier auch viele junge Künstler aus Belgien.

Institutionen

Verkehrsinformation

Die kürzesten Wege zur Kunst

artnet weist Ihnen den Weg zu 69 Düsseldorfer und Kölner Galeriestandorten. Ein Klick genügt und Sie finden die kürzeste Verbindung von Kunst zu Kunst.

City-Maps mit Galerienindex zum Herunterladen: Düsseldorf, Köln

Alle Zug- und S-Bahn-Verbindungen auf einen Klick: Deutsche Bahn, VRR, KVB, VRS

Alle Verkehrsinformationen auf einen Blick

Sponsoren

Pilsner Urquell Deltax AXA Art Art Cologne Stadtwerke Düsseldorf Rheinenergie Stiftung Kultur Landeshauptstadt Düsseldorf Stadt Köln CREATIVE NRW Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen