Wer jetzt das Parterre der Galerie Sies + Höke betritt, sieht mit einem Mal alles, was an Kunst Kopfschmerzen macht. Da hat der 30-jährige Etienne Chambaud mithilfe zweier Strukturingenieure, eines Achitekturbüros und einer mexikanischen Glas-Design-Manufaktur ein Monstermobile an die Galeriedecke gehängt, an dem fast das Gebäude zusammenbricht. Der historisch belesene Künstler will so das Museum und die Guillotine zusammendenken und hat ein sündhaft aufwändiges Glaskristallbeil an eine stählerne Stange gehängt. Das Glas wiegt schwer. Es drückt die Stange steil zur Decke, wo im Gleichgewicht weitere Holme schweben, von denen herab Stahlkabel als Zugseile durch das Zwischengeschoss gefädelt sind – an ihren Enden bilden sich Schlingen. Die sympathische Galerieassistentin weist auf die unterschwellig subtile Gewalttätigkeit hin und erklärt die Beobachtung des Künstlers, wonach entwicklungsgeschichtlich das postmoderne Museum die Funktion der Guillotine übernimmt. Während die Assistentin spricht, wiegt der Draht sich durch die löcherige Decke und eine der Schlingen schwingt als Aufforderung zur Selbstkastration im Toilettenraum vor dem Galerieklosett auf und ab. Chambaud denkt dabei an de Sade, die Assistentin an die verführende Kraft des Gleichgewichts. Und das wogende Eisen wird zur Prüfung auf der Suche nach dem versteckten Schatz.
Oben nämlich, im 1. Stock, sind acht intime Leinwände zu sehen, die gerade jenes unbegreifliche Gleichgewicht erzeugen, um das sich Chambaud so steil und prätentiös bemüht. Sam Windett ist eine Entdeckung für die deutsche Kunstszene und man fragt sich, wie man dieses musikalische Spiel um Flachheit und Farbauftrag, diese rohen Spurrillen im zähen Material und die amulettartig ikonischen Motive in eine beschreibende Formel fassen soll. Seltsam, wie Windett seine Motivgespenster über die Tafeln schweben lässt, als seien sie Teile einer selbstverständlichen Bildtradition. Dabei wurden diese farbigen Morpheme aus Konturen alltäglicher Gegenstände destilliert. Es mag noch so viel Kunstgeschichte in den Bildern stecken, am Ende sind diese Bilder anrührender Eigenbau. Man kann sich ihnen nur durch vergleichende Meditation annähern, weil es für konkrete Bedeutungen mit jedem weiteren Blick weniger Anhaltspunkte gibt. Lautlos und undurchdringlich sind diese stillschweigend abgeschliffenen Bilder. Bei Chambaud stößt man sich den Kopf am Stahl. Bei Windett kann der Blick Gymnastik machen. Man muss nicht aufs Galerieklo wollen, um zu wissen, was schöner ist.












