Stepp der Herrensignifikanten
Galerie Clara Maria Sels
Von Dominikus Müller

Michaël Aerts: „Signed, Sealed, Delivered. I'm Yours!“ - Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf. Vom 4. September bis 18. November 2010

Ketten, Kisten, alte Griechen – halt! Wir haben was vergessen. Die Schwänze. Also noch einmal von vorne: Ketten, Kisten, Schwänze, alte Griechen – daraus baut Michaël Aerts seine schwülstig-düsteren Skulpturen, die in der Galerie Clara Maria Sels zu sehen sind. Der erste Eindruck: Der Phallus dominiert. Er regiert sozusagen mit harter Hand. Dabei soll es in den Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen von Aerts um ein ganz anderes Thema gehen, um „Mobilität“. Mit gutem Willen kann man das sogar nachvollziehen. Wenn man an die Mobilität der Zeichen denkt. Doch, doch, so muss es sein.

Denn Aerts packt in seine Ausstellung alles, was sich nicht wehrt. Er schichtet die Signifkanten so lange aufeinander, bis sie selbst nichts mehr bedeuten wollen. Das ist fast immer heftig, oftmals düster, manchmal sogar niedlich. Aus dem Kunstnebel, in den Aerts die Galerie getaucht hat, erscheint hier ein grimmig-griechischer Helm, dort die Göttin Athene höchstselbst, mit spitzen Metalldornen am Revers und S/M-Fesselspielzeug um den Hals. Als Sockel dienen die eigenen Transportkisten. Kunst, fertig zum Versand, immer unterwegs: vom Studio in die Galerie, von der Galerie in die Sammlung und von dort als Leihgabe in irgendeine Ausstellung. Werke wandern. Und die Zeichen fließen derweil weiter.

Um die Ecke hängen kindliche Zuckersterne an der Wand, Weihnachsdeko aus der Kita, davor aber hat Aerts ein Kenotaph geklotzt, ein Scheingrab also, mit vier vermummten, kettenbehängten Wächtern. Durch den Nebel schimmern Disney-Piratenschiffe, entrückte Heilige und Glubschaugenmonster im Bortenrahmen. Am Ende wird das ganze Paket mit dem Titel eines Stevie Wonder-Songs zusammengeschnürt: „Signed, Sealed, Delivered. I’m Yours!“. Bitte. Danke. Fertig. Doch da wären ja noch die „Guardians“, drei Skulpturen, gleich am Eingang: lackglänzende Schwänze im schwarzen Umhang. Ein Zeichen überragt also doch alle anderen. Der Phallus beherrscht die Bühne und steppt als Herrensignifkant durch die lose Zeichenshow wie in der guten, alten Zeit. Er möchte Fels sein in der Brandung, Leuchtturm im tosenden Meer der Zeichen, Autorität. Am Ende aber wird auch er hier so ins Lächerliche gezogen, dass er zu nichts anderem mehr taugt, als sich in eine krude, vernebelte Wunderkammer einzureihen. Und deswegen, aber auch nur deswegen, geht das von der Message her alles einigermaßen in Ordnung.

Michaël Aerts
A strange Glow in the Sky and Nobody Seems to Know, 2009
Verschiedene Materialien auf Papier
40 x 51,5 cm
© Courtesy of DEWEER Gallery, Otegem; Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf

Michaël Aerts
Minerva (Detail), 2009
Aluminium, Polyester, Lack und Transportkiste
170 x 63 x 63 cm
© Courtesy of DEWEER Gallery, Otegem; Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf

Michaël Aerts
Valentina (Detail), 2009
Aluminium, Polyester, Lack und Transportkiste
180 x 65 x 63 cm
© Courtesy of DEWEER Gallery, Otegem; Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf

Michaël Aerts
Shipstream, 2008
Verschiedene Materialien auf Papier
45 x 32 cm
© Courtesy of DEWEER Gallery, Otegem; Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf

Michaël Aerts
Our New Cultures, 2008
Aluminium, Holz, Polyester und Lack
300 x 100 x 105 cm
© Courtesy of DEWEER Gallery, Otegem; Galerie Clara Maria Sels, Düsseldorf

Michaël Aerts

Weil wir in einer Zeit überschüssiger, frei flottierender Zeichen leben, ist Michaël Aerts (geb. 1979 in Dendermonde, Belgien) zum Jongleur der Symbole und Signets geworden. Er bedient sich quer durch die Epochen und Kulturen, am liebsten bei den Insignien der Macht. Gespeist von einer spezifisch belgischen Tradition des Surrealismus entstehen so verschwörerische Zeichnungen und Skulpturen, die wie Abzeichen oder Totems eines Geheimbunds wirken.

Ausgewählte Einzelausstellungen:

2010 An O’Neill Drama, a Whistler’s Mama, Ron Mandos Gallery, Amsterdam, NL
2009 Ridge Ecstacy – New drawings and paintings, DEWEER gallery, Otegem, B
2007 Atelier 340 Muzeum, Brüssel, B 

Ausgewählte Gruppenausstellungen:

2009 Pandora's Sound Box, Performa 09, New York, USA
2007 Kick box project, S.M.A.K., the Municipal Museum of Contemporary Art & AZ Maria-Middelares, Gent, B
2005 Talentbeurs, Atelier 340 Muzeum, Brüssel, B

Institutionen

Verkehrsinformation

Die kürzesten Wege zur Kunst

artnet weist Ihnen den Weg zu 69 Düsseldorfer und Kölner Galeriestandorten. Ein Klick genügt und Sie finden die kürzeste Verbindung von Kunst zu Kunst.

City-Maps mit Galerienindex zum Herunterladen: Düsseldorf, Köln

Alle Zug- und S-Bahn-Verbindungen auf einen Klick: Deutsche Bahn, VRR, KVB, VRS

Alle Verkehrsinformationen auf einen Blick

Sponsoren

Pilsner Urquell Deltax AXA Art Art Cologne Stadtwerke Düsseldorf Rheinenergie Stiftung Kultur Landeshauptstadt Düsseldorf Stadt Köln CREATIVE NRW Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen