Ketten, Kisten, alte Griechen – halt! Wir haben was vergessen. Die Schwänze. Also noch einmal von vorne: Ketten, Kisten, Schwänze, alte Griechen – daraus baut Michaël Aerts seine schwülstig-düsteren Skulpturen, die in der Galerie Clara Maria Sels zu sehen sind. Der erste Eindruck: Der Phallus dominiert. Er regiert sozusagen mit harter Hand. Dabei soll es in den Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen von Aerts um ein ganz anderes Thema gehen, um „Mobilität“. Mit gutem Willen kann man das sogar nachvollziehen. Wenn man an die Mobilität der Zeichen denkt. Doch, doch, so muss es sein.
Denn Aerts packt in seine Ausstellung alles, was sich nicht wehrt. Er schichtet die Signifkanten so lange aufeinander, bis sie selbst nichts mehr bedeuten wollen. Das ist fast immer heftig, oftmals düster, manchmal sogar niedlich. Aus dem Kunstnebel, in den Aerts die Galerie getaucht hat, erscheint hier ein grimmig-griechischer Helm, dort die Göttin Athene höchstselbst, mit spitzen Metalldornen am Revers und S/M-Fesselspielzeug um den Hals. Als Sockel dienen die eigenen Transportkisten. Kunst, fertig zum Versand, immer unterwegs: vom Studio in die Galerie, von der Galerie in die Sammlung und von dort als Leihgabe in irgendeine Ausstellung. Werke wandern. Und die Zeichen fließen derweil weiter.
Um die Ecke hängen kindliche Zuckersterne an der Wand, Weihnachsdeko aus der Kita, davor aber hat Aerts ein Kenotaph geklotzt, ein Scheingrab also, mit vier vermummten, kettenbehängten Wächtern. Durch den Nebel schimmern Disney-Piratenschiffe, entrückte Heilige und Glubschaugenmonster im Bortenrahmen. Am Ende wird das ganze Paket mit dem Titel eines Stevie Wonder-Songs zusammengeschnürt: „Signed, Sealed, Delivered. I’m Yours!“. Bitte. Danke. Fertig. Doch da wären ja noch die „Guardians“, drei Skulpturen, gleich am Eingang: lackglänzende Schwänze im schwarzen Umhang. Ein Zeichen überragt also doch alle anderen. Der Phallus beherrscht die Bühne und steppt als Herrensignifkant durch die lose Zeichenshow wie in der guten, alten Zeit. Er möchte Fels sein in der Brandung, Leuchtturm im tosenden Meer der Zeichen, Autorität. Am Ende aber wird auch er hier so ins Lächerliche gezogen, dass er zu nichts anderem mehr taugt, als sich in eine krude, vernebelte Wunderkammer einzureihen. Und deswegen, aber auch nur deswegen, geht das von der Message her alles einigermaßen in Ordnung.












